Samuel ben Natel Hess, 02. Siwan 613 (= Mittwoch, 08. Juni 1853)
D-36 (Wachstein 893)
Die hebräische Grabinschrift mit Übersetzung
| [1] H(ier liegt) b(egraben) | פ”נ |
| [2] der Toragelehrte, unser Lehrer und Meister (MORENU) Samuel, Ehemann | התורני מו”ה שמואל בעל |
| [3] der Frau, F(rau) Hindel und Sohn des verstorbenen H(errn) | האשה מ’ הינדל ובן להמנוח ה’ |
| [4] Natel Hess. Er verstarb am Tag 4 (= Mittwoch), 2. Nisan | נטל העס נפטר ביום ד’ ב’ סיון |
| [5] 613 n(ach der kleinen Zeitrechnung). | תרי”ג ל’ |
| [6] E(s sei) s(eine Seele) e(ingebunden) i(ns Bündel) d(es Lebens). | תנצב”ה |
Anmerkungen
Zeile 2a: “Der Toragelehrte, MORENU”.
Zeile 2b/3a: “Ehemann der Frau Hindel”.
Eine sonst so gut wie nie vorkommende Wendung in einer hebräischen Inschrift, dass beim Mann die Ehefrau genannt wird. Sonst ist es immer umgekehrt, dass also der Ehemann bei der vertorbenen Frau erwähnt wird, siehe auch die Inschrift von Hindel Hess, gest. 23. Oktober 1857.
MORENU bedeutet wörtlich “u(nser) L(ehrer), H(err)”. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als “synagogaler Doktortitel” (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).
Zeile 5: Das ל, in dem sowohl das פ als auch das ק angedeutet wird, ist eine typografische Ligatur, die dazu dient, die (häufiger vorkommende) Abkürzung לפ”ק “nach der kleinen Zeitrechnung” darzustellen. Man nennt es “Lamed-Pe-Kof” למד־פ״ק, ausgeschrieben למד לפרט קטן oder auch “Lamed mekuzéret” (abgekürztes Lamed, למד מקוצרת) bzw. “Lamed des prat katan” למד של פרט קטן. Meist wird dieses “Lamed-Pe-Kof” verwendet, um Buchstaben zu sparen, weil sich drei Buchstaben in der Zeile nicht mehr ausgehen etc. Die Abkürzung steht um anzudeuten, dass der Tausender der Jahreszahl nicht geschrieben wird. Im konkreten Fall: 546 und nicht 5546.
Biografische Notizen
War Lehrer und wird mit der Morenu-Titulatur bezeichnet. In der Grabschrift wird er ausdrücklich als Ehemann der Hindel angeführt, eine Bezeichnung, die sonst nirgends üblich ist.
Wachstein B., Die Grabinschriften …, a.a.O., 266
Ehefrau: Hindel Hess, gest. 23. Oktober 1857
Personenregister älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt


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