Meine sicher ehrenvollste, wichtigste und mich am meisten glücklich machende Arbeit ist, Nachfahren von Jüdinnen und Juden einer der ehemaligen jüdischen Gemeinden die Gräber und Grabsteine ihrer Vorfahren zu suchen und zeigen zu dürfen.
Heute kam Familie Holzer aus New York nach Kobersdorf. Wir kennen einander seit Jahren und haben einander schon in Kobersdorf und 2019 sogar in Cleveland (Ohio) getroffen. Diesmal kamen Samuel und Irene Holzer mit ihrer Nichte Kylie, die kürzlich ihr Studium erfolgreich beendet hatte und den Ort, an dem ihre Vorfahren über viele Generationen lebten, noch nicht kannte.
Den Besuch in Kobersdorf begannen wir in der prachtvoll renovierten ehemaligen Synagoge, die die Familie das erste Mal sehen durfte. Samuel Holzer betonte sehr glücklich zu sein, dass dieser Ort, an dem seine Ur…urgroßeltern gebetet und geheiratet haben, so prachtvoll renoviert wurde und an die jüdische Geschichte des Ortes und damit auch an seine Familie erinnert.

Nach dem Besuch der ehemaligen Synagoge fuhren wir zum jüdischen Friedhof, der sich auch heute in der Mittagssonne in einer atemberaubenden Stimmung präsentierte.
Wir gingen sofort nach oben zum Grabstein von Samuel Holzers Urgroßvater Salomon Holzer, dem Sohn von Nathan Holzer, gestorben an Simchat Tora, umgerechnet am 2. Oktober 1934. Danach besuchten wir auch die meisten der anderen Vorfahren der Familie wie David Holzer und Kylie glänzte beim Umrechnen vom jüdischen ins bürgerliche Datum mit brillanten Rechenkünsten. Kein Wunder, sie hatte auch einen Abschluss in Technik ;-)
Die große Überraschung kam aber ganz am Schluss, also wir schon am Weg runter zum Tor waren, wo links und rechts an der Mauer die umgefallenen Grabsteine und Grabsteinfragmente aufgestellt sind. Siehe die beiden Artikel “Jüdischer Friedhof Kobersdorf: schwere Arbeit I” und “Jüdischer Friedhof Kobersdorf: schwere Arbeit II“.
Tatsächlich sehe ich nun beim Hinuntergehen noch einen Grabstein der Familie Holzer, dessen Inschrift eben durch das “an die Mauer Lehnen” wieder sichtbar wurde und ich demnächst bearbeiten kann: Michle Holzer, die Ehefrau von Anton (Todros) Holzer, Halbbruder von Samuel Holzers Urgroßvater Salomon, gest. 20. Mai 1920. Michle starb am 30. Av 662, das ist der erste Neumondtag des Monats Elul, umgerechnet, der 2. September 1902.
Familie Holzer war sehr glücklich über den überraschenden Fund und wir hoffen alle, einander bald wieder zu treffen, sehr wahrscheinlich in Kobersdorf und nicht in den USA…






