Schischa Mayer / Schischa Meir – 22. Mai 1866

Schischa Mayer / Schischa Meir – 22. Mai 1866

Mayer Schischa / Meir Schischa, 08. Siwan 5626 (Dienstag, 22. Mai 1866)

  • Foto: Grabstein von Mayer Schischa / Meir Schischa, 08. Siwan 5626
  • Datenblatt Isidor Öhler: Mayer Schischa / Meir Schischa, 08. Siwan 5626


Anmerkungen

Das Sterbedatum wird in der hebräischen Inschrift (Zeile 1) angegeben mit “verstorben und begraben am Dienstag, Isru Chag von Schavuot” נפטר ונקבר ביום ג אסרו חג דשבועות. Isru Chag (der Tag nach dem eigentlichen Feiertag/den Feiertagen) Schavuot ist (in der Diaspora) der 08. Siwan und im Jahr 5626 (1866) der 22. Mai. Öhler irrt, der 07. Siwan ist Isru Chag in Israel.

Meir Schischa wird in der 5. Zeile der hebräischen Inschrift als “ausgezeichneter Gelehrter” הרבני המופלג bezeichnet und trägt (Zeile 3) den Titel MORENU מוה”.

MORENU bedeutet wörtlich “u(nser) L(ehrer), H(err)”. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als “synagogaler Doktortitel” (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Er ist (Zeile 6) der Sohn des “e(hrbaren) H(errn) Aaron Schischa Segal” אהרן שישא סגל.
Anmerkung: Der Nachname (Stammesname) “Segal” סגל, oft auch als Zusatz nach dem Nachnamen, ist eigentlich ein Akronym für סגן לויה לוים, etwa “Führer der Leviten”.

Update 30. 12. 2014: In der vorletzten Zeile, links und rechts vom Krug, findet sich noch der Name der Mutter: “Malka” מלכה.

Ausnahmsweise noch eine Anmerkung, die nicht direkt Namen oder Datum betrifft:
Auffällig bei dieser Inschrift für einen verstorbenen Rabbiner ist, dass sie keinen Lobteil hat, sondern der Text extrem redundant gehalten wird. Das wäre an sich noch nicht verwunderlich. Aber selten, dass es eine doch recht ausführliche Erklärung dafür gibt: Diese finden wir nämlich in der Inschrift selbst, und zwar in Zeile 4 und 5, wo es heißt: “Auftrag ist es festzuhalten die Worte des Verstorbenen, dass kein Lob auf seinen Grabstein geschrieben werden möge” מצוה לקיים דברי המת שלא לכתוב שבח על מצבתו.

Die Abschrift des Inschrift findet sich übrigens auch in “Max Grunwald, Mattersdorf, in: Jahrbuch für Jüdische Volkskunde 1924/25, hrsg. v. Max Grunwald, Berlin 1926, S. 502″.
Grunwald merkt in einer Fußnote dazu an: “Nach einer (nicht belegten) Angabe in der “Jüd. Wochenschrift” (Wien, 26. 7. 24) 1336 aus Würburg nach M. eingewandert.”
Wie öfter bei Grunwald, ist der Satz missverständlich. Die Ausgabe “Jüdische Wochenschrift”, Wien, 26. 7. 24, – müsste eigentlich “Die Wahrheit” sein? -, gibt es nicht, das Zitat konnten wir nirgends finden.
Meir Schischa kann natürlich nicht 1336 aus Würzburg nach Mattersdorf gekommen sein. Ist 1836 gemeint? Oder meint 1336 das Jahr, in dem die Ersten der Familie Schischa nach Mattesdorf gekommen sein sollen?


Biografische Notizen

Sterbematriken: Mayer (Meir) Schischa , geb. in Mattersdorf, Witwer, Alt-Rabbiner, gest. 22. Mai 1866, mit 72 Jahren, an Krebs, in Mattersdorf


Personenregister jüdischer Friedhof Mattersburg


3 Kommentare

  1. Meir Deutsch

    Thank you Johannes for quoting from Max Grunwald. His article “Mattersdorf, in: Jahrbuch für Jüdische Volkskunde 1924/25” is considered an authority about Mattersdorf (or as you say: müsste eigentlich “Die Wahrheit” sein?). You say that Grunwald is many times ambiguous. I agree.
    Shall give here only one example. When I looked at the customs of the Mattersdorf community I came to Simchas Tora. Grunwald writes on page 452: “Am Simchas Tora-Abend versammelt sich die Gemeinde nach dem Gottesdienste vor dem Tempel, um den Rabbiner Feierlich nach Hause zu begleiten. Voran schreitet die Musik […] Der Zug flankiert die Jugend mit Flackeln und die Knaben mit brennenden Wachskerzen.”
    What does Grunwald mean by “Musik”? It surely could not have been played by instruments (on YOMTEV יום טוב). If he means “singing” then he would have used “Gesang” and not “Musik”. If we continue, he says that the procession had youth with torches and children with burning candles. This seems strange, as the houses in Mattersdorf were built mostly of wood. Fires were common. If fire broke out how would they extinguish it on YOMTEV? Once the procession reached the Rabbi’s house what would they do with the torches and burning candles? They could not extinguish them on יום טוב.
    I know that also members of the Chrisliche Gemeinde took part in the שמחת תורה procession. Where they responsible to extinguish the torches and the candles? Did they play the music? Grunwald does not say anything about that. He does not mention SHABBES GOYs.

  2. Carole Vogel

    Rabbi Mayer Schischa is the brother of my great-great-great-grandfather David Loewy. The family can be traced back to the 1600s in Mattersdorf. Mayer’s first wife, Lea Neufeld was the mother of Yitzchok and Gittel. His second wife Rebeka Deutsch (Sofer) was the mother of Reuvain, Lazar, Simon Eleazer, and Moritz (Moshe).

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