Personenregister jüdischer Friedhof Währing
Regina (Rebekka) Dobruschka (Doberoschky), 26. Tevet 575 (= Ausgang Schabbat / Samstag Abend, 07. Jänner 1815)
Die Grabinschrift
| [1] H(ier ist) g(eborgen) | פ”ט |
| [2] die teure unverheiratete Frau vom Stamme der | הבתולה היקרה מגזע ישר |
| [3] Aufrechten, von Herzen freigiebig, Wohl | ישרה נדבת לב צדקה |
| [4] übte sie zu jeder Zeit, ihre Hände | בכל עת עשתה כפיה |
| [5] öffnete sie den Armen und ihre Hände | לעניים פרשה וידיה |
| [6] streckte sie den Bedürftigen aus, F(rau) Rebekka, | לאביונים שלחה מ רבקה |
| [7] Tochter d(es Herrn) Salman Dobruschka | בת ה זלמן דאברושקה |
| [8] aus Brünn. E(s ging hinweg) i(hre Seele) a(m Ausgang) d(es heiligen) Sch(abbat) und sie wurde begraben am Tag | מברין ינ משק ונקברת יום |
| [9] 1 (= Sonntag), 26. Tevet 575 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). | א כו טבת תקעה לפק |
| [10] I(hre Seele) m(öge) e(ingebunden sein) i(m Bündel) d(es Lebens). | ת’נ’צ’ב’ה’ |
Anmerkungen
Zeile 2b/3a: Meist finden wir מגזע ישר(ים).
Zeile 4b bis 6a: S. Sprüche 31, 20 כַּ֭פָּהּ פָּֽרְשָׂ֣ה לֶעָנִ֑י וְ֝יָדֶ֗יהָ שִׁלְּחָ֥ה לָאֶבְיֽוֹן׃
“Sie breitet ihre Hände aus zu dem Armen und reicht ihre Hand dem Bedürftigen”.
Zeile 7: In der hebräischen Inschrift und im Gräberbuch des jüdischen Friedhofs Währing findet sich der Nachname “Dobruschka”, im Polizeibericht (lt. Pinkas Heinrich) “Doberoschky”, worauf auch die Anmerkung im Gräberbuch hinweist.
Dort heißt es weiters: … ihre Schwester war die Gattin des Ludwig v. Hönigsberg (ihre Mutter war vielleicht Dobruschka Katharina, gest. 60 Jahre alt, 17. Mai 1791)… Sie hieß Schendl, hatte die Leibmaut in Mähren …
Es wird in der Anmerkung auf Pribram verwiesen. Dort finden wir auf Seite 502:
IV. 1781 Nov. 30
Vortrag der Hofkammer
(Exzerpt H. H. u. St. A. Staatsratsakten 2824 ex 1781)Als die B. Ö. Hofkanzley die über ihren Vortrag wegen besserer Benützung der hiesigen Judenschaft unter andern erfolgte Anordnung zu Aufhebung der Leibmaut gesamten Länderstellen kundmachte, nahm das mährische Gubernium Anlaß sich anzufragen, ob nicht vielleicht dieses blos Niederösterreich zu betreffen hätte, da in Mähren die Leibmaut erst unterm 1. July vorigen Jahres neuerlich auf 6 Jahre an die Dobruskin verpachtet worden;…
Urkunden und Akten zur Geschichte der Juden in Wien. Erste Abteilung, Allgemeiner Teil 1526 – 1847 (1849), hrsg. von A. F. Pribram, Erster Band, Wien und Leipzig 1918, Seite 502
Auf Seite 610 lesen wir:
Unter so vielen sich ohne eine hohe Regierungserlaubnis hier aufhaltenden Juden zeichnen sich besonders die Familien aus:
a) Schendl Dobruska und
b) des Großhändlers Joel Baruch Wittib, ohne etwas zu zahlen, Wien den 31. Dez. 1789
Urkunden und Akten zur Geschichte der Juden in Wien. Erste Abteilung, Allgemeiner Teil 1526 – 1847 (1849), hrsg. von A. F. Pribram, Erster Band, Wien und Leipzig 1918, Seite 610
Biografische Notizen
Regina (Rebekka) Dobruschka (Doberoschky) (zum Nachnamen siehe oben Anmerkung zu Zeile 7), geb. ca. 1765, Tochter des Tabakpächters Salman Dobruschka und der Schendl (s.o.), unverheiratet, gest. mit 50 Jahren an Abzehrung (zunehmende körperliche Schwächung) am 26. Tevet 775, am Ausgang des Schabbat = Samstag später Abend (im Jänner), 07. Jänner 1815 und wurde begraben am Tag 1 = Sonntag, 26. Tevet 575 = 08. Jänner 1815 am jüdischen Friedhof Währing, Gruppe 4, Nr. 215. Im Sterbebuch ist allerdings der 9. Jänner 1815 als Begräbnistag eingetragen, das wäre der Montag, Tag 2 der Woche.
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