Haydnmedaille in Gold

Haydnmedaille in Gold

Über die Kategorie “Bagatellen”

Haydn-Medaille in Gold. Gestern Abend habe ich diese hohe Ehrung der Freistadt Eisenstadt bekommen und freue mich außerordentlich darüber. Vielen Dank dem Herrn Bürgermeister Thomas Steiner sowie dem gesamten Gemeinderat, der einstimmig für die Verleihung stimmte.

Als ich 1984 das erste Mal nach Eisenstadt ins jüdische Museum kam, war ich ein “Fremder”. Ich kam aus dem benachbarten Niederösterreich und kannte nur ein wenig die Geschichte der ehemaligen jüdischen Gemeinde der Stadt. Aber ich kannte Eisenstadt nicht, ich kannte nicht die Geschichte dieser Stadt, ich kannte nicht ihre Kultur. Vor allem kannte ich aber nicht die Menschen, die dort leben, und ich kannte auch nicht ihre Geschichten. Ich kannte sie nicht, die Menschen, deren Vorfahren über Jahrhunderte, bis 1938, mit und neben den Jüdinnen und Juden der “Großgemeinde Unterberg-Eisenstadt” lebten. Jenes Viertel von Eisenstadt, das zwischen Oberberg und dem städtischen Teil der Stadt, beginnend mit dem Schloss Esterházy, liegt und das seit 1871 völlige politische Autonomie hatte. Jenes Viertel, das wohl auch Joseph Haydn, vom Oberberg kommend auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz im Schloss, durchquerte.

Die alten Grabsteine auf dem “guten Ort”, auf dem älteren jüdischen Friedhof am nordwestlichen Ausgang des ehemaligen jüdischen Viertels sehen auf den ersten Blick alle gleich aus. Erst auf den zweiten Blick mag man, immer abhängig von ihrer Entstehungszeit, die Unterschiede zwischen den teuren Kalksandsteinen und den simplen Steinen der einfachen Jüdinnen und Juden erkennen.

Meine wichtigste (und mir selbst gestellte) Aufgabe war, die Namen dieser hier begrabenen Menschen, ungeachtet ihrer sozialen Stellung in der Gemeinde, aus ihrer Anonymität zu lösen, ihre Geschichten zu finden und zu dokumentieren.

Ich habe in den Jahren und Jahrzehnten in Eisenstadt gelernt, dass wir niemals die Leere, die das Fehlen jener Menschen, die unter uns über Jahrhunderte lebten, ausgelöst hat, füllen. Aber wir können und müssen, was immer wir tun, den auf den jüdischen Friedhöfen “hinter” oft kaum lesbaren hebräischen Inschriften begrabenen Jüdinnen und Juden, wir müssen den Vertriebenen und Ermordeten ihre Namen, ihre Geschichte, ihre Geschichten und damit ihnen ihre Würde zurückgeben.

Ich danke der Freistadt Eisenstadt, und ganz besonders ihrem Bürgermeister Thomas Steiner, vor allem auch dafür, dass sie diese meine Arbeit immer verstanden und unterstützt haben.

 

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