Personenregister jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt
Heinrich (Chajim) Ungar, 05. Elul 655 (= Sonntag, 25. August 1895)
Standortnummer: 825
Foto August 2017
Die Grabinschrift
[1] H(ier liegt) b(egraben) | פנ |
[2] ein Jüngling, zart an Jahren, ein kluger Sohn, der dem Vater Freude machte. | נער רך בשנים בן חכם ישמח אב |
[3] Er hörte auf die Stimme seiner Eltern und seiner Lehrer. | שומע בקול הוריו ומוריו |
[4] Er war beliebt bei seinen Freunden und seinen Bekannten, | אהוב לחבריו ומיודעיו |
[5] d(er ehrenhafte) H(err) Chajim, [s(ein Licht) m(öge leuchten)], | כה חיים [ני] |
[6] Sohn des CHAVER | בן החבר |
[7] H(errn) Hersch Löb Ungar, s(ein Licht) m(öge leuchten). | ר’ הרש ליב אונגאר ני |
[8] Er starb im Alter von 13 Jahren am 5. Elul | מת בן יג שנים ביום ה אלול |
[9] des Jahres 655 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). | שנת תרנה לפק |
[10] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). | תנצבה |
Anmerkungen
August 2017: Der Grabstein liegt auf seinem Standort am Gesicht. Wir werden ihn in den nächsten Wochen zumindest umdrehen, nach Möglichkeit aufstellen. Foto-Update folgt.
Anmerkung zum Bild Nr. 3 oben, das den liegenden Grabstein von Heinrich Ungar in seiner Umgebung zeigt: Rechts hinten sind seine beiden Brüder (links, der kleinere Grabstein) (Leopold) Philipp (Feibl) Ungar und (rechts, der größere Grabstein) Markus / Miksa (Mordechai) Ungar zu sehen, rechts neben dem Grabstein von Heinrich Ungar der Sockel des Grabsteines seiner Schwester Friederike / Fri(e)da (Feile Chaja) Ungar.
Zeile 2: רך בשנים: s. dazu Kommentar des Raschi sowie Targum zu Genesis 41,43 “… man rief vor ihm (Josef) aus: ‘Abrech’ …” …וויקראו לפניו אברך …. Die Buchstaben des Wortes אברך werden als Notarikon gesehen und in die Eigenschaften Josefs aufgelöst: אב בחכמה und רך “ein Vater der Weisheit” und “jung/zart” an Jahren”); s. auch GenesisRabba 90,3 mit gleicher Deutung.
Zeile 5: Eigentlich ist der Segenswunsch “s(ein Licht) m(öge leuchten)” deutlich zu lesen, zumindest genau so wie jener in Zeile 7. Allerdings passt er in Zeile 7, da Leopold (Zvi Jehuda) Ungar 1907, also 12 Jahre nach dem Tod seines Sohnes stirbt. Dieser Segenswunsch ist nur bei noch lebenden Personen üblich und überrascht hier. Es dürfte sich schlicht um eine Verschreibung handeln, daher die eckigen Klammern.
Zeile 7: Sprüche 10,1; 15,20 בן חכם ישמח אב.
Biografische Notizen
Heinrich (Chajim) Ungar, geb. 29. Jänner 1882 in Eisenstadt 22, gest. 25. August 1895 an Bauchtyphus in Oberberg-Eisenstadt (In den Geburtsmatriken ist als Vater “Heinrich” angegeben, als Mutter “Betti Guttmann”, in den Sterbematriken aber Vater “Leopold”, Mutter “Betti Guttmann”. “Heinrich” als Vater muss eine Verschreibung in den Matriken sein!)
Vater: Leopold (Zvi Jehuda) Ungar, gest. 16. August 1907
Mutter: Barbara (Betti/y, Babette, Bertha, Breindel) Ungar, gest. 17. August 1905
Schwestern:
Rosa Opler, geb. Ungar 13. April 1869 in Eisenstadt, gest. 03. Juli 1919
Johanna Ungar, geb. 21. Juli 1876 in Eisenstadt
Friederike / Fri(e)da (Feile Chaja) Ungar, geb. 14. Juni 1880 in Eisenstadt 7, gest. 13. Dezember 1900
Brüder:
Samuel Ungar, geb. 29. Mai 1866 in Eisenstadt, Israelitengasse 128
(Leopold) Philipp (Feibl) Ungar, geb. 17. Jänner 1868 in Eisenstadt, Israelitengasse 127, gest. 26. Mai 1879
Markus / Miksa (Mordechai) Ungar, geb. 21. Oktober 1872 in Eisenstadt, gest. 08. Juli 1886
Gustav Ungar, geb. 12. Oktober 1874 in Eisenstadt
Moritz Ungar, geb. 17. August 1878 in Eisenstadt 15
Material und Maße des Grabsteins
Kalksandstein, 100/56/16
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