Italienische Reise – Fiume / Rijeka

Italienische Reise – Fiume / Rijeka


Der Start einer kleinen Serie: Ausgehend von Triest eine Reise zu den jüdischen Friedhöfen in 4 Städten in Friaul und in 2 ehemals italienischen Städten, die heute in Kroatien liegen.
Wir beginnen in Fiume / Rijeka, wo sich der jüdische Friedhof in Cosala, einem höher gelegenen Stadtteil, auf dem Areal des städtischen Friedhofs befindet.

Es war schon ein besonderes Erlebnis, gleich beim Betreten des jüdischen Friedhofs auf vertraute Namen zu treffen, Mattersdorfer, Spitzer und Neufeld, Werndorfer und Hess aus Eisenstadt, Wohlmuth aus Rechnitz, Monath, Oppenheim und Epstein aus Wien usw. Aber sehr schnell wurde auch die dramatische Geschichte hinter vielen dieser Grabsteine klar. Kaum eine Familie, in der nicht Eltern, Geschwister, Kinder oder Enkel im Holocaust ermordet wurden. Meist erfolgte die Deportation über Triest nach Auschwitz.

So wissen wir zwar leider nicht, woher die Die Familie “Mattersdorfer” (später änderten einzelne Nachkommen ihren Namen auf “Mattei”) kamen (erwartungsgemäß) aus Westungarn, dem heutigen Burgenland, nämlich aus Schlaining, wo Antonio (Elkan) Mattersdorfer 1854 geboren wurde. Wir wissen auch, dass die Familie in Fiume / Rijeka als bedeutende Familie galt. Anton (Elchanan, Sohn des Benjamin Seev) Mattersdorfer war mit Rabbiner Adolfo Gerloczi Gründer der Chevra Qadischa der Gemeinde befreundet. Mit seiner Ehefrau Ernestina hatte er mehrere Kinder. Warum Ernestina häufig mit dem Mädchennamen “Spitzer” angeführt wird, konnten wir nicht feststellen, in der hebräischen Inschrift lesen wir jedenfalls: “Ester, Tochter des Zvi Mattersdorfer“.

Beide Söhne des Ehepaars wurden in der Schoa ermordet. Alfredo Mattersdorfer in Auschwitz, sein Bruder Carlo Felice Mattersdorfer in Buchenwald, Ehefrau Elsa Sachs und seine kleine Tochter Liliana wurden ebenfalls in Auschwitz ermordet.

Antonios Bruder Enrico / Heinrich Mattersdorfer, selbst verheiratet mit Olga Spitzer, hatte 2 Söhne, die beide Ehefrauen aus Wien bzw. Klosterneuburg hatten.

Am jüdischen Friedhof von Fiume / Rijeka finden wir auch das Grab von Gabriele (Ella) Monath, die als Gabriele Regina Oppenheim am 28. April 1870 in Wien geboren wird. Schon ihre Eltern, Sigmund Oppenheim und Anna Goldstein, heirateten 1865 in Baden bei Wien. Gabrieles Ehemann Ignazio Monat(h), geb. 1869 in Malacka (Slowakei), wurde von Triest nach Auschwitz deportiert und bei seiner Ankunft in Auschwitz ermordet.

Oder das Grab des böhmischen Weinhändlers Bernhard (Berl) Ruzicka, gest. 1938, der 1900 in Wien die auch in Wien 1881 geborene Olga Gewitsch heiratet. Sohn Paul Ruzicka kommt 1902, ebenfalls in Wien, auf die Welt.

Wir haben Fotos von 71 Grabsteinen des jüdischen Friedhofs in Fiume / Rijeka mitgebracht.
Vielleicht bemerkenswert: Alle Inschriften sind entweder in hebräischer, deutscher, italienischer oder ungarischer Sprache, oft einsprachig, oft mehrsprachig.
Wir haben auch alle hebräischen Inschriften transkribiert, übersetzt und Synagogalnamen sowie Sterbedaten ausgelesen. In fast allen Fällen erhielten wir dadurch überhaupt erst ein korrektes Sterbedatum. Dabei geht es gar nicht nur um die notwendige Aufarbeitung der Geschichte der Juden, es geht primär darum, die Namen und Menschen hinter diesen Namen nicht zu vergessen…

Entdecken Sie mit uns den jüdischen Friedhof von Fiume / Rijeka und schreiben Sie mit uns ein kleines Stückchen der jüdischen Geschichte Eisenstadts weiter: Auch die bedeutende Weinhandlung “Leopold Wolf’s Söhne” gründete 1890 eine Niederlassung in Fiume.



2 Kommentare

    1. Dear Ruth Ellen Gruber, of course we know the website, it was one of our main sources. And the website is very often quoted in individual blog-posts of our little project and described in our “Fiume”-post:

      https://der-transkribierer.at/mitbringsel-souvenirs/fiume-rijeka/

      It is great that this website exists, but as I described, the problem is, that you don’t find any death dates (often even no names) from gravestones with hebrew inscriptions!

      II transcribed and translated all hebrew inscriptions to get correct death-dates and (hebrew) names, esp. for further genealocial research.

      only an example:
      Isak Meir Lipschitz

      on the Website of the Jewish cemetery of Rijeka you only find following information:
      (LIPSCHITZ) (ISAK)

      => no death date…

      because of transcribing and translating the only (!) hebrew inscription we have much more information:
      Ignaz(io) (Isak Meir) Lipschitz, 07. Siwan 690 = 03. Juni 1930

      and on the bottom of the post we added some genealogical information about the children and grand-children…

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