Personenregister neuer jüdischer Friedhof Nikolai (Mikołów)
Der Grabstein befindet sich am neuen jüdischen Friedhof Nikolai (Mikołów), Polen. Das Foto wurde mir von Herrn Piotr Grodecki vom Nikolaier Geschichtsverband (Mikołowskie Towarzystwo Historyczne) zur Verfügung gestellt, der auch alle Rechte am Foto hat.
Samuel, Sohn des Salomon, 10. Schwat 552 (= Freitag, 3. Februar 1792)

Die hebräische Grabinschrift
| [1] Hier liegt begraben | פ”נ |
| [2] ein lauterer und aufrechter Mann, der Herr, Herr | איש תם וישר הרר |
| [3] Samuel, Sohn unseres Lehreres, des Herrn und unseres Meisters (= MORENU) Salomon, | שמואל במה”ו שלמה |
| [4] sein Andenken möge bewahrt werden. Sein Tod und sein Begräbnis waren am Tag | ז”ל מיתתו וקבורתו ביו” |
| [5] 6 (= Freitag), Vorabend des heiligen Schabbat, 10. Schvat des Jahres 552 | ו עש”ק י” שבט שנת תקנב |
| [6] nach der kleinen Zeitrechnung. Seine Seele möge eingebunden sein im Bund des Lebens. | לפ”ק ת”נ”צ”ב”ה” |
Anmerkungen
Zeile 1: Die Einleitungsformel wird im Hebräischen meist abgekürzt: פ”נ und aufgelöst in פה נפטר “Hier liegt begraben”.
Zeile 2: Am Ende der Zeile wird die Abkürzung הרר aufgelöst in הרב רבי “der Herr, Herr”.
Zeile 3: Die Abkürzung במהו wird aufgelöst in בן מורנו הרב ורבנו “Sohn unseres Lehrers, des Herrn, und unseres Meisters”. Bernhard Wachstein bezeichnet den “MORENU”-Titel, den nur besonders gelehrte Männer erhielten, als “synagogalen Doktortitel” (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).
Zeile 4: Der Segenswunsch nach dem Vornamen des Vaters Salomo ז”ל wird im Hebräischen meist abgekürzt und aufgelöst in זכרונו לברכה und mit “sein Andenken zum Segen” o.ä. übersetzt. Dieser Segenswunsch zeigt er an, dass der Vater zum Zeitpunkt des Ablebens des Sohnes bereits verstorben war.
Zeile 5: Die hebräische Abkürzung עשק wird aufgelöst in ערב שבת קודש\קדש “Vorabend des heiligen Schabbat”.
Am Ende der Zeile gehen sich die vier Buchstaben, die das Sterbejahr anzeigen, nicht aus. Daher werden die ersten zwei Buchstaben noch in die Zeile, die nächsten zwei Buchstaben in die nächste Halbzeile graviert. Die Halbzeile wird oben nicht angezeigt bzw. nicht gezählt.
Zeile 6: Die übliche hebräische Abkürzung לפ”ק wird aufgelöst in לפרט קטן (lifrat katan) und bedeutet “nach der kleinen Zählung”, also dass der Tausender der Jahreszahl nicht geschrieben wird. Im konkreten Fall: 552 und nicht 5552.
Die sogenannte Schlusseulogie (“das gute Wort am Ende der Inschrift”) ist eigentlich ein Zitat aus 1 Samuel 25,29, wo Abigail zu David sagt: “so soll das Leben meines Herrn eingebunden sein in das Bündel der Lebendigen” וְֽהָיְתָה֩ נֶ֨פֶשׁ אֲדֹנִ֜י צְרוּרָ֣ה ׀ בִּצְר֣וֹר הַחַיִּ֗ים. Sie wird in Grabinschriften meist abgekürzt תנצבה.
Biografische Anmerkung
Samuel, Sohn des Salomon, gestorben 10. Schwat 552 = Freitag, 3. Februar 1792
Personenregister neuer jüdischer Friedhof Nikolai (Mikołów)