Personenregister neuer jüdischer Friedhof Nikolai (Mikołów)
Der Grabstein befindet sich am neuen jüdischen Friedhof Nikolai (Mikołów), Polen. Das Foto wurde mir vom Nikolaier Geschichtsverband (Mikołowskie Towarzystwo Historyczne) zur Verfügung gestellt, der auch alle Rechte am Foto hat.
Breindel, Tochter Abraham, 28. Siwan 541 (= Donnerstag, 21. Juni 1781)

Die hebräische Grabinschrift
| [1] [Ihre Seele ging hinweg] am 28. Siwan 541 nach der kleinen Zeitrechnung. | [נ”י] כה סיון שתת תקמא ל” |
| [2] Hier liegt begraben | פ”נ |
| [3] die Frau, Frau | האשה מ” |
| [4] Breindel, | בריינדיל |
| [5] Tochter des ehrenwerten Herrn, Herrn | בת כהר”ר |
| [6] Abraham, [das Andenken des Gerechten sei zum Segen]. | אברהם [זצ”ל] |
| [7] Ihre Seele möge eingebunden sein im Bund des Lebens. | ת”נ”צ”ב”ה” |
Anmerkungen
Zeile 1: Mehr geraten als gelesen der Beginn der Rundbogen-Zeile: נ”י, die Abkürzung für נשמתה יצתה “ihre Seele ging hinweg”.
Am Schluss der Zeile: Das ל, in dem sowohl das פ als auch das ק angedeutet wird, ist eine typografische Ligatur, die dazu dient, die (häufiger vorkommende) Abkürzung לפ”ק “nach der kleinen Zeitrechnung” darzustellen. Man nennt es “Lamed-Pe-Kof” למד־פ״ק, ausgeschrieben למד לפרט קטן “Lamed lifrat katan” oder auch “Lamed mekuzéret” (abgekürztes Lamed, למד מקוצרת) bzw. “Lamed des prat katan” למד של פרט קטן. Meist wird dieses “Lamed-Pe-Kof” verwendet, um Buchstaben zu sparen, weil sich drei Buchstaben in der Zeile nicht mehr ausgehen etc. Die Abkürzung steht um anzudeuten, dass der Tausender der Jahreszahl nicht geschrieben wird. Im konkreten Fall: 541 und nicht 5541.
Zeile 2: Die Einleitungsformel wird im Hebräischen meist abgekürzt: פ”נ = פה נפטר “Hier liegt begraben”.
Zeile 3: Das מ” am Zeilenende ist das abgekürzte מרת “Frau”, wenn nachher der Name der Frau steht (in der hebräischen Grammatik ein status constructus).
Zeile 5: Die Abkürzung כהרר wird aufgelöst in כבוד הרב רבינו “der ehrenwerte Herr, unser Meister”. Der “MORENU”-Titel, den nur besonders gelehrte Männer erhielten, schwingt hier mit. Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als “synagogaler Doktortitel” (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).
Zeile 6: Der abgekürzte Segenswunsch am Zeilenende sieht aus wie ז und eine Ligatur von צ und ל. Diese hebräische Abkürzung des Segenswunsches nach dem Namen des Verstorbenen זצל wird aufgelöst in זכר צדיק לברכה “das Andenken des Gerechten sei zum Segen” und wird vor allem bei gelehrteren Personen verwendet (im Vergleich zu זל, aufgelöst in זכרונו לברכה “sein Andenken sei zum Segen”).
Die sogenannte Schlusseulogie (“das gute Wort am Ende der Inschrift”) ist eigentlich ein Zitat aus 1 Samuel 25,29, wo Abigail zu David sagt: “so soll das Leben meines Herrn eingebunden sein in das Bündel der Lebendigen” וְֽהָיְתָה֩ נֶ֨פֶשׁ אֲדֹנִ֜י צְרוּרָ֣ה ׀ בִּצְר֣וֹר הַחַיִּ֗ים. Sie wird in Grabinschriften meist abgekürzt תנצבה.
Biografische Anmerkung
Breindel, Tochter Abraham, gestorben 28. Siwan 541 = Donnerstag, 21. Juni 1781
Personenregister neuer jüdischer Friedhof Nikolai (Mikołów)