Über die Kategorie “Bagatellen”
Klara (Chaja) Kastner, geb. Jekeles, 21. Tevet 721 (= Montag, 9. Jänner 1961)
Der Grabstein befindet sich Zentralfriedhof Wien, Tor IV. Die Anfrage zur Übersetzung der Inschrift kam von Herrn Walter Kogler aus Bratislava.

Die Grabinschrift
| [1] Eine tüchtige Ehefrau aus einer hohen Familie. | אשת חיל ממשפחת רם |
| [2] H(ier ist) [Fünfarmiger Leuchter] g(eborgen) | פ [מנורת חמשת הקנים] ט |
| [3] die angesehene Frau, die Krone ihres Ehemanns und die Zierde ihrer Tochter, | האשה החשובה עטרת בעלה ותפארת בתה |
| [4] Frau Chaja, a(uf ihr sei der) F(rieden), | מרת חיה עה |
| [5] Ehefrau d(es Herrn) David Juda Kastner, s(ein Licht) m(öge leuchten), | אשת ר’ דוד יודא קאסטנער נ”י |
| [6] Tochter des Vornehmen H(errn) Menachem Mendel Jekeles, s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden). | בת הנגיד ר’ מנם מענדל יעקעלעס ז”ל |
| [7] Sie ging in ihre Welt am 21. Tevet 721. | הלכה לעולמה ביום כ”א טבת תשכ”א |
| [8] Ihre reine Seele wird ruhen im Lichte Gottes und sie wird auferstehen gemäß des Losanteils | נשמתה הטהורה תשכון באור אל ותעמוד לגורל |
| [9] der gerechten Frauen am Ende der Tage. | הצדקניות לקץ הימים |
| [10] I(hre) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). | תנצבה |
| [11] D(er Name) i(hrer Mutter) war Minde? Röse | ש”א מינדה? ריזה |
Anmerkungen
Grundsätzlich ist anzumerken, dass die hebräische Schrift ungewöhnlich viele Fehler, was die korrekte Schreibung der Buchstaben betrifft, beinhaltet.
Zeile 2 (Symbol): Für das Symbol des fünfarmigen Leuchters gibt es mehrere Erklärungen.
- Da es verboten ist (siehe etwa babylonischer Talmud, Traktat Menachot 28b) den siebenarmigen Leuchter des salomonischen Tempels nachzubilden, werden gerne fünf- oder sechsarmige Leuchter gewählt, für die dieses Verbot natürlich nicht gilt.
- Der fünfarmige Leuchter (fünfarmige Menora) findet sich auch immer wieder auf Grabsteinen und symbolisiert die fünf Aspekte der Seele: נפש “die lebendige Seele”, רוח “die Seele, die von Gott eingehaucht wurde”, נשמה “der Atem des Lebens”, חיה “Leben” und יחידה “Einheit”. Die Kabbalisten verstanden diese fünf Namen der Seele als fünf verschiedene Ebenen der Seele, die untrennbar zusammengehören.
- In der Synagoge befindet sich der fünfarmige Leuchter befindet sich üblicherweise beim Platz des Kantors für jene, die den Tod eines nahen Verwandten betrauern.
Zeile 3: Sprüche 12,4: אֵֽשֶׁת־חַ֭יִל עֲטֶ֣רֶת בַּעְלָ֑הּ וּכְרָקָ֖ב בְּעַצְמוֹתָ֣יו מְבִישָֽׁה׃ “Eine tüchtige Frau ist die Krone ihres Mannes”.
Zeile 5: Der Segenswunsch nach dem Namen des Ehemanns zeigt an, dass dieser zum Zeitpunkt des Ablebens seiner Frau noch am Leben war. Desider Kastner starb am 29. Dezember 1970.
Zeile 8b und 9: Siehe Daniel 12,13 (hier der ganze Vers) וְאַתָּ֖ה לֵ֣ךְ לַקֵּ֑ץ וְתָנ֛וּחַ וְתַעֲמֹ֥ד לְגֹרָלְךָ֖ לְקֵ֥ץ הַיָּמִֽין׃ “Du aber geh dem Ende zu! Du wirst ruhen und auferstehen gemäß deinem Losanteil am Ende der Tage”.
Zeile 11: Die beiden (hebräischen) Namen der Mutter der Verstorbenen lese ich nicht ganz sicher, vor allem den ersten Namen “Minde” (wie ich es lese, es könnte auch “Magda” sein) kenne ich nicht. Für “Röse” finde ich zumindest
einen Beleg in Dresden.
Biografische Notizen
Klara (Chaja) Kastner, geb. Jekeles, gest. 21. Tevet 576 = Montag, 9. Jänner 1961 im Wilheminenspital Wien 16, letzte Adresse Möderbrugg (Steiermark), begraben am Zentralfriedhof Tor IV, Gruppe 16b, Reihe 10, Grabnummer 10.
Mehr Informationen über ihr Leben, siehe den Kommentar von Herrn Walter Kogler vom 13. März 2026.
Vater: Mendel Jekeles (weiland)
Ehemann: Desider (David Juda) Kastner, gest. 27. Dezember 1970
Über die Kategorie “Bagatellen”