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	<title>ehemalige podcasts &#8211; Der Transkribierer</title>
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	<description>Leiden und Freuden eines Inschriftentüftlers.</description>
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	<title>ehemalige podcasts &#8211; Der Transkribierer</title>
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		<title>Koscher für Pesach</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Der Transkribierer]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Mar 2021 06:05:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Religion und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[ehemalige podcasts]]></category>
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					<description><![CDATA[Dieser Artikel war ursprünglich die 9. Podcastfolge, die ich während meiner Zeit im Österreichischen Jüdischen Museum in Eisenstadt am 16. März 2021 publizierte. Die Podcastreihe &#8220;Koscher Schmus&#8221; wird auf &#8220;Der Transkribierer&#8221; &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Dieser Artikel war ursprünglich die 9. Podcastfolge, die ich während meiner Zeit im Österreichischen Jüdischen Museum in Eisenstadt am 16. März 2021 publizierte. Die Podcastreihe &#8220;Koscher Schmus&#8221; wird auf &#8220;<span class="can">Der Transkribierer</span>&#8221; nicht fortgeführt, die von mir erstellten Podcasts werden jedoch als Artikel zur Verfügung gestellt.</em></p>
<hr class="divider height-3 margin-top-20 margin-bottom-20" />
<h2>Warum dürfen zu Pesach nur Koscherprodukte verwendet werden, die explizit als &#8220;koscher für Pesach&#8221; gekennzeichnet sind?</h2>
<p>Koscher für Pesach: man wäre vielleicht geneigt &#8220;koscher für Pesach&#8221; als eine Art &#8220;super koscher&#8221; zu bezeichnen. Das ist auch nicht ganz falsch, aber es steckt viel viel mehr dahinter:</p>
<p>Schon lange vor dem Pesachfest, Tage und Wochen, in manchen Familien sogar zwei bis drei Monate vorher, beginnt ein Großputz, dass das Zuhause pünktlich zu Pesach &#8220;koscher für Pesach&#8221; ist. Ein guter Freund auf meine Frage, wann in seiner Familie mit dem Großputz begonnen wird, antwortet mir zwischen Purim und Pesach:</p>
<blockquote><p>Sagen wir es so: ab Chanukka wird meine Frau panisch, insbesondere wenn die Kinder etwas in ihren Zimmern essen &#8210; und spricht ständig davon, dass sie mit dem Pesach-Putz anfangen muss. In der Realität passiert aber nichts vor Purim. Momentan auch noch nicht, aber ich erwarte den Pesach-Putz-Stress jeden Moment jetzt demnächst.</p></blockquote>
<p>Nicht nur die Küche wird penibel gereinigt, sondern jedes Zimmer, vom Kinderzimmer bis zum Schlafzimmer, von der Waschküche bis zur Garage, von der Werkstatt bis zum Auto. Vorrang haben vor allem jene Räume bzw. Räumlichkeiten, die während des Pesachfestes auch betreten oder benützt werden. Und es geht dabei keineswegs um die Entfernung von Staub und Schmutz, sondern es geht um die akribische Entfernung von allem Gesäuerten. Hebräisch heißt dieses Gesäuerte &#8220;Chamez&#8221; und Chamez ist jedes Lebensmittel, das aus Weizen, Gerste, Roggen, Hafer oder Dinkel, die gesäuert sind, hergestellt ist. &#8220;Gesäuert&#8221; bedeutet bekanntlich, dass Wasser im Spiel ist und dass es Zeit braucht, 3-5 Tage, bis der Sauerteig, zum Beispiel der bekannte Hermann-Teig, zubereitet ist. Und genau diese Zeit hatten die Israeliten aber nicht, sie hatten nicht die Zeit gesäuertes Brot zu backen, als sie in aller Eile Ägypten verließen. Wir kennen die Geschichte, als Mose die Israeliten aus der Gefangenschaft in Ägypten herausführen sollte, der Pharao sich aber weigerte die Erlaubnis zu geben und Gott daraufhin die 10 Plagen schickte. Die 10. Plage, der Tod aller Erstgeborenen, fällt auch mit der Ankündigung des Pesachfestes zusammen. Und so lesen wir im 2. Buch Mose, Kapitel 12, Vers 15:</p>
<blockquote><p>Vom Abend des Pesachfestes an sollt ihr sieben Tage lang nur Brot essen, das ohne Sauerteig gebacken wurde! Entfernt schon vorher alle Sauerteigreste aus euren Häusern! Wer in diesen sieben Tagen doch etwas isst, das Sauerteig enthält, hat sein Leben verwirkt. Er muss aus dem Volk Israel ausgeschlossen werden.</p></blockquote>
<p><figure id="attachment_16957" aria-describedby="caption-attachment-16957" style="width: 1920px" class="wp-caption aligncenter"><a  href="https://der-transkribierer.at/wp-content/uploads/2021/03/rothschildMisc-1.jpg" data-rel="lightbox-gallery-0" data-rl_title="Rothschild Miscellany, Mazzes backen" data-rl_caption="Rothschild Miscellany, Mazzes backen" data-magnific_type="gallery" title="Rothschild Miscellany, Mazzes backen"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://der-transkribierer.at/wp-content/uploads/2021/03/rothschildMisc-1.jpg" alt="Rothschild Miscellany, Mazzes backen" width="1920" height="781" class="size-full wp-image-16957" srcset="https://der-transkribierer.at/wp-content/uploads/2021/03/rothschildMisc-1.jpg 1920w, https://der-transkribierer.at/wp-content/uploads/2021/03/rothschildMisc-1-600x244.jpg 600w, https://der-transkribierer.at/wp-content/uploads/2021/03/rothschildMisc-1-768x312.jpg 768w, https://der-transkribierer.at/wp-content/uploads/2021/03/rothschildMisc-1-1536x625.jpg 1536w, https://der-transkribierer.at/wp-content/uploads/2021/03/rothschildMisc-1-281x114.jpg 281w" sizes="(max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /></a><figcaption id="caption-attachment-16957" class="wp-caption-text">Rothschild Miscellany, Mazzes backen</figcaption></figure><br />
<div class="clearfix">&nbsp;</div></p>
<p>Und noch einmal im nächsten Kapitel, 13, Vers 3:</p>
<blockquote><p>Mose sagte zum Volk: »Behaltet diesen Tag in Erinnerung, denn heute werdet ihr aus der Sklaverei in Ägypten befreit! Der HERR führt euch mit starker Hand hinaus. Esst darum kein Brot, das mit Sauerteig gebacken wurde! </p></blockquote>
<p>Und Vers 6 und 7: </p>
<blockquote><p>Esst sieben Tage lang nur Brot, das ohne Sauerteig gebacken wurde, und am siebten Tag feiert ein Fest zu Ehren des HERRN. Ja, sieben Tage lang sollt ihr nur ungesäuertes Brot essen! Im ganzen Land darf es kein Sauerteigbrot und keinen Sauerteig mehr geben!</p></blockquote>
<p>Das Pesachfest dauert immer vom Abend des 14. Nisan bis zum 22. Nisan, das ist heuer von 27. März bis 4. April. Der Abend des 14. Nisan, also der Vorabend und Auftakt zum Pesachfest sowie der folgende Abend sind die sogenannten Sederabende. Das hebräische Wort &#8220;Seder&#8221; bedeutet Ordnung, weil die Mahlzeit an diesen beiden Pesachabenden in einer bestimmten und besonderen Ordnung abläuft. </p>
<p>Am Sederabend wird auch aus der Pesach-Haggada gelesen bzw. gesungen. Beschrieben wird in diesem Buch oder Büchlein das Exil in und der Auszug aus Ägypten.</p>
<p>Am Sederteller liegen die Speisen mit symbolischer Bedeutung &#8210; in Erinnerung an den Auszug aus Ägypten: darunter das ungesäuerte Brot (die Mazzot oder Mazzes) und das Bitterkraut, hebräisch &#8220;Maror&#8221;. Die Mazzot haben auch spezielle Namen, nämlich &#8220;Kohen&#8221;, &#8220;Levi&#8221; und &#8220;Israel&#8221;.</p>
<p>Vier Becher Wein werden während des Abends getrunken, auf das Einschenken des 2. Glases Wein folgt das wohl berühmteste Lied der Pesach-Haggada, wenn das jüngste Familienmitglied seine 4 Fragen mit folgenden Worten einleitet </p>
<blockquote><p><span class="hebrEA" dir="rtl">מַה נִּשְׁתַּנָּה הַלַּיְלָה הַזֶּה מִכָּל הַלֵּילוֹת?</span><br />
Ma nischtana ha lajla hase mikol halelot?<br />
Was unterscheidet diese Nacht von allen anderen Nächten? </p></blockquote>
<p>Und schon die erste Frage hat mit unserer heutigen Thematik zu tun, sie lautet: </p>
<blockquote><p>In allen anderen Nächten essen wir Gesäuertes und Ungesäuertes &#8210; in dieser Nacht nur Ungesäuertes?</p></blockquote>
<p>Der Familienvorstand, der Vater, antwortet mit der Erzählung des Auszugs aus Ägypten: </p>
<blockquote><p>Sklaven waren wir einst dem Pharao in Ägypten, da führte uns der HERR, unser Gott, von dort heraus mit starker Hand und ausgestrecktem Arm. Hätte der Heilige, gelobt sei Er, unsere Ahnen aus Ägypten nicht herausgeführt, wahrlich! Wir, unsere Kinder und Kindes-Kinder wären noch Sklaven des Pharao&#8230;</p></blockquote>
<p>Pesach erinnert an den Auszug und die Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei. Ein weiterer Name des Pesachfestes ist &#8220;Fest der ungesäuerten Brote&#8221;.</p>
<p>Während des Festes darf kein Produkt, auch kein koscheres Produkt verwendet werden, das nicht explizit &#8220;koscher für Pesach&#8221; ist, da es sonst Zutaten enthalten könnte, die Chamez sind oder Spuren von Chametz enthalten. Das gilt etwa auch für die Mazzes, die während des ganzen Jahres gegessen werden und für Pesach ungeeignet sein können, weil sie Chamez sind. Daher dürfen zu Pesach auch nur speziell für Pesach erzeugte Mazzes &#8210; eben solche, die koscher für Pesach sind &#8210; verwendet werden.</p>
<hr class="divider height-3 margin-top-20 margin-bottom-20" />
<p class="winzig">Akrap D., Jaschke A., Krajnc C., Reiss J., Nicht ganz koscher? Not quite kosher?, Eisenstadt 2000.</p>
<p class="winzig"><img decoding="async" src="/bilder/ff.gif" alt="" width="11" height="10" /> <a href="http://www.talmud.de/tlmd/die-online-haggadah/" title="Externer Link zu'talmud.de...'">Die Haggadah.</a></p>
<p class="winzig">Die Heilige Schrift. Einheitsübersetzung. 11. Aufl. Stuttgart 2006.</p>
<div class="clearfix">&nbsp;</div>
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		<title>Das Kreuz mit dem Kreuz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Der Transkribierer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Dec 2020 08:15:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Religion und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[ehemalige podcasts]]></category>
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					<description><![CDATA[Dieser Artikel war ursprünglich die 7. Podcastfolge, die ich während meiner Zeit im Österreichischen Jüdischen Museum in Eisenstadt am 14. Dezember 2020 publizierte. Die Podcastreihe &#8220;Koscher Schmus&#8221; wird auf &#8220;Der Transkribierer&#8221; &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Dieser Artikel war ursprünglich die 7. Podcastfolge, die ich während meiner Zeit im Österreichischen Jüdischen Museum in Eisenstadt am 14. Dezember 2020 publizierte. Die Podcastreihe &#8220;Koscher Schmus&#8221; wird auf &#8220;<span class="can">Der Transkribierer</span>&#8221; nicht fortgeführt, die von mir erstellten Podcasts werden jedoch als Artikel zur Verfügung gestellt.</em></p>
<hr class="divider height-3 margin-top-20 margin-bottom-20" />
<p>Heute geht es sowohl um die uns häufig gestellte Frage, was die beiden hebräischen Buchstaben im Logo des Österreichischen Jüdischen Museums  bedeuten als auch um einen von vielen Kommentaren zu einem Facebookposting des Museums vor einigen Wochen. </p>
<p>In diesem Beitrag ging es um die ehemalige jüdische Gemeinde Deutschkreutz, wo beim Abriss eines Stadels Grabsteinfragmente mit hebräischen Buchstaben gefunden wurden. Einer der Kommentare formulierte lapidar und auf Hebräisch: </p>
<blockquote><p>Es heißt nicht Deutschkreutz, sondern ZELEM.</p></blockquote>
<p>In meiner ebenso lapidaren Antwort verwies ich nur darauf, dass der Ortsname heute ja Deutschkreutz heißt und eben dort die Grabsteinfragmente gefunden wurden.<br />
Na ja, jedenfalls Grund genug, um doch ein wenig über die jüdischen &#8210; hebräischen, deutschjüdischen oder jiddischen &#8210; Ortsnamen der ehemaligen jüdischen Gemeinden, die sich auf dem Gebiet des heutigen Burgenlandes befanden, nachzudenken und auch, ob das Anliegen in diesem Facebook-Kommentar, statt Deutschkreutz &#8220;Zelem&#8221; zu schreiben, am Ende sogar berechtigt sein könnte? </p>
<p>Beginnen wir gleich bei der in diesem Kommentar eingemahnten jüdischen Bezeichnung für die ehemalige jüdische Gemeinde Deutschkreutz, also &#8220;Zelem&#8221;.<br />
Sehen wir uns ein wenig in der Literatur um, werden wir schnell fündig, die Erklärungen bleiben da aber immer an der Oberfläche. Da heißt es etwa auf der Website der Gemeinde Deutschkreutz: </p>
<p><strong>Deutschkreutz wurde von den Juden &#8220;Zelem&#8221; genannt (bzw. Zehlem mit &#8220;h&#8221; oder &#8220;Zehlim&#8221; geschrieben), da der Name des Ortes das Wort &#8220;Kreuz&#8221; enthält, welches die Juden aus religiösen Gründen nicht aussprachen.</strong> </p>
<p>Oder noch eine Erklärung eher aus jüdischer Perspektive:</p>
<blockquote><p>Deutschkreutz wurde von Juden Zelem (auch Zehlem) genannt, da der Ortsname den Begriff Kreuz enthält &#8210; ein Begriff, der in der Empfindung von Juden für die brutale Unterdrückung im Römischen Reich und für die blutigen Kreuzzüge der Römisch-katholischen Kirche steht und den gläubige Talmudanhänger nicht aussprechen durften.</p></blockquote>
<p>Mir selbst war das sehr lange nicht so richtig bewusst, bis ich vor vielen Jahren eines Tages an einem schönen Frühsommerabend in Deutschkreutz zu einem Vortrag eingeladen war und vor der Veranstaltung noch mit Interessenten auf der Gasse vor dem Veranstaltungszentrum geplaudert habe. Da kommt der Pfarrer auf mich zu, schüttelt mir die Hände und stellt sich vor mit den Worten </p>
<blockquote><p>Guten Abend oder Hallo, ich bin der Pfarrer von Kreuz. </p></blockquote>
<p>Und da dämmerte es mir, wenn auch reichlich spät, dass es für die Juden natürlich notwendig war, quasi eine Ersatzformulierung für ihren Wohnort zu finden… Dass &#8220;Kreuz&#8221; übrigens im Ortsnamen Deutschkreutz mit &#8220;tz&#8221; geschrieben wird, dürfen wir getrost außen vor lassen, Kreutz mit &#8220;tz&#8221; ist eine bis 1901 verwendete und heute nicht mehr korrekte Schreibweise.</p>
<p>Nun, selbstverständlich gibt es ein hebräisches Wort für &#8220;Kreuz&#8221;, das natürlich auch von jedermann und jederfrau ausgesprochen werden darf, und zwar &#8220;zlav&#8221; (meint nicht das Kreuz im anatomischen und musikalischen Kontext!). </p>
<p>Das hebräische Wort &#8220;Zelem&#8221;, der jüdische Name für Deutschkreutz, kann 3 Bedeutungen haben (die Wortwurzel &#8220;ZLM&#8221; <span class="hebrEA" dir="rtl">צלם</span> hat immer mit &#8220;Bild&#8221; zu tun):</p>
<ol"

	

<li>Ebenbild. Im 1. Buch Mose 1,26 etwa lesen wir: </p>
<blockquote><p>Lasset uns Menschen machen als unser Bild </p></blockquote>
<p>oder in 9,6: </p>
<blockquote><p>Gottes Ebenbild Zelem Elohim</p></blockquote>
</li>
<li>&#8220;Zelem&#8221; bedeutet auch Götzenbild.  In 2. Buch Könige 11,18 lesen wir<br />
<blockquote><p>Da zogen alle Bürger des Landes zum Baalstempel und sie brachen seine Altäre ab und zerschlugen seine Götzenbilder ganz und gar.</p></blockquote>
</li>
<li>Der 3. Bedeutung begegnen wir erst in der neueren Literatur, wenn &#8220;Zelem&#8221; als Metapher verwendet wird bzw. dann v.a. aus dem Jiddischen kommt die Bedeutung &#8220;Zelem&#8221; als Wort für das Kreuz der Christen!
<p>Dass sich diese letztgenannte Bedeutung natürlich als Ersatz für &#8220;Deutschkreutz&#8221; anbot, liegt auf der Hand, ebenso, dass im jiddischen Wort selbstverständlich die hebräische Wortbedeutung &#8220;Götzenbild&#8221; mitschwingt. </li>
</ol>
<p>&#8220;Zelem&#8221;, so nannten die Juden Deutschkreutz, aber das war nicht nur eine mündliche Überlieferung, sondern wir finden &#8220;Zelem&#8221; auch im offiziellen Briefverkehr der jüdischen Gemeinde, etwa auf ihren Gemeindesiegeln. Oder, wenn die Gemeinde in einer hebräischen Grabinschrift als Herkunftsort des Verstorbenen genannt ist, lesen wir ausnahmslos &#8220;Zelem&#8221; und natürlich nicht Deutschkreutz.</p>
<p><a id="asch" name="asch"></a>Vergleichsweise simpel dagegen ist die jüdische Bezeichnung für die jüdische Gemeinde Eisenstadt: &#8220;ASCH&#8221;, geschrieben mit 2 hebräischen Buchstaben, dem Alef und dem Schin und zwischen den beiden Buchstaben die Abkürzungsstriche: <span class="hebrEA" dir="rtl">א&#8221;ש</span>. So finden wir den Namen nicht nur im Gemeindesiegel der jüdischen Gemeinde Eisenstadt (s.o. das Headerbild), sondern etwa auch in der hebräischen Grabinschrift des ersten Rabbiners von Eisenstadt, der 1744 starb und posthum den Namen seiner Wirkungsstätte erhielt: Eisenstadt und als &#8220;MAHARAM ASCH&#8221;, als &#8220;unser großer Meister und Lehrer Eisenstadt&#8221; zu einem der bis heute meistverehrten Rabbiner weit über die Grenzen unserer Region hinaus bekannt wurde.<br />
Die Abkürzungsstriche, ob im Gemeindesiegel oder in der Grabinschrift, weisen klar darauf hin, dass es sich um eine Abkürzung handelt. A(lef) für Eisen und das SCH(in) für Stadt &#8220;ASCH&#8221; = &#8220;Eisen-Stadt&#8221;.</p>
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="hrqzuMqWcN"><p><a href="https://der-transkribierer.at/burgenland/aelterer-juedischer-friedhof-eisenstadt/eisenstadt-meir-07-juni-1744/">Eisenstadt Meir &#8211; 07. Juni 1744</a></p></blockquote>
<p><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Eisenstadt Meir &#8211; 07. Juni 1744&#8220; &#8212; Der Transkribierer" src="https://der-transkribierer.at/burgenland/aelterer-juedischer-friedhof-eisenstadt/eisenstadt-meir-07-juni-1744/embed/#?secret=sxiSuzY4Ui#?secret=hrqzuMqWcN" data-secret="hrqzuMqWcN" width="234" height="200" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe></p>
<div class="clearfix">&nbsp;</div>
<p>Nur am Rande und nur der Vollständigkeit halber sei hier angemerkt, dass manchmal andere, viel kompliziertere Ableitungen angeführt werden: Dass wir nämlich über die Entwicklung der Personennamen, konkret über deren Kurzformen (etwa Ad(albert), zu dem auch Atz, Ass oder Asch gehört), zum jüdischen Namen kommen und dass die Form &#8220;ASCH&#8221; ohne Grundwort (also ASCHENSTATT) sich etwa im 13. Jahrhundert nach dem Muster sogenannter genitivischer deutscher Ortsnamen entwickelt hat (also die Stadt des Asch). Ob solche Erklärungsmodelle überzeugen können, müssen Berufenere entscheiden. Mir jedenfalls fehlt dabei nicht nur jede jüdische Komponente, sondern ich würde da auch keine Notwendigkeit für einen eigenen jüdischen Namen erkennen können , und schließlich, auch die Abkürzungsstriche zwischen den hebräischen Buchstaben Alef und Schin, die wir zumindest seit dem frühen 18. Jahrhundert belegt haben, wären nicht zu erklären. </p>
<p>12 ehemalige jüdische Gemeinden liegen auf dem Gebiet des heutigen Burgenlandes. </p>
<p>Bleibt eigentlich nur noch die Frage, warum nur 2 Gemeinden einen jüdischen Namen haben:  </p>
<p>&#8220;ASCH&#8221; für Eisenstadt und &#8220;ZELEM&#8221; für Deutschkreutz. Argumentieren wir bei Deutschkreutz mit religiösen Argumenten, können wir uns fragen, warum Frauenkirchen keinen jüdischen Namen hat „Jungfrau Maria“ und „Kirche“ im Ortsnamen &#8230; Ähnliches würde natürlich auch für Mattersdorf gelten, das ungarische Nagy-Marton: Groß Martin, nach dem Landespatron, dem heiligen Martin (selbstverständlich könnte man bei Eisenstadt auch den ungarischen Namen ins Treffen führen: Kismarton &#8220;Kleiner Martin&#8221; und auch religiöse Argumente anführen).</p>
<hr class="divider height-3 margin-top-20 margin-bottom-20" />
<p class="winzig"><img loading="lazy" decoding="async" src="/bilder/ff.gif" alt="" width="11" height="10" title="Externer Link zu 'wikipedia.org'" /> <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Denkmal_f%C3%BCr_die_Juden_von_Zelem">Denkmal für die Juden von Zelem (Wikipedia)</a>.</p>
<p class="winzig"><a href="https://der-transkribierer.at/burgenland/juedischer-friedhof-mattersburg/brandl-kalman-11-april-1885/">Grabstein/Grabinschrift Karl (Karl) Brandl aus Zelem, jüdischer Friedhof Mattersburg</a>.</p>
<p class="winzig"><img loading="lazy" decoding="async" src="/bilder/ff.gif" alt="" width="11" height="10" /> <a href="https://www.e-codices.ch/en/list/one/bc/b-0217" title="Externer Link zu 'e-codices.ch/en/list/one/'">Seder Birkat ha-Mazon, Deutschkreutz 1751</a>.</p>
<p class="winzig"><img loading="lazy" decoding="async" src="/bilder/ff.gif" alt="" width="11" height="10" /> <a href="https://www.deutschkreutz.at/judengemeinde.html" title="Externer Link zu 'wikipedia.org'">Website der Gemeinde Deutschkreutz</a>.</p>
<p class="winzig">Zimmermann Fritz, Die Ortsnamen der jüdischen Gemeinden im Burgenland, in: Hugo Gold, Gedenkbuch der untergegangenen Judengemeinden des Burgenlandes, Tel Aviv 1970, 125-132.</p>
<div class="clearfix">&nbsp;</div>
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		<title>Über den jüdischen Kalender</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Der Transkribierer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Sep 2020 14:53:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Religion und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[ehemalige podcasts]]></category>
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					<description><![CDATA[Dieser Artikel war ursprünglich die 6. Podcastfolge, die ich während meiner Zeit im Österreichischen Jüdischen Museum in Eisenstadt am 17. September 2020 publizierte. Die Podcastreihe &#8220;Koscher Schmus&#8221; wird auf &#8220;Der Transkribierer&#8221; &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Dieser Artikel war ursprünglich die 6. Podcastfolge, die ich während meiner Zeit im Österreichischen Jüdischen Museum in Eisenstadt am 17. September 2020 publizierte. Die Podcastreihe &#8220;Koscher Schmus&#8221; wird auf &#8220;<span class="can">Der Transkribierer</span>&#8221; nicht fortgeführt, die von mir erstellten Podcasts werden jedoch als Artikel zur Verfügung gestellt.</em></p>
<hr class="divider height-3 margin-top-20 margin-bottom-20" />
<p>Heute geht es um die Zeitrechnung, und zwar aus aktuellem Anlass. Denn in zwei Tagen, heuer am 19. September, ist der 1. Tischre im jüdischen Kalender und damit jüdisches Neujahr, Rosch ha-Schana. Am 10. Tischre, heuer am 28. September, folgt dann der große Versöhnungstag, Jom Kippur, der höchste Fast- und Bußtag im jüdischen Kalender. Sowohl Rosch ha-Schana als auch Jom Kippur gehören zu den höchsten jüdischen Feiertagen, die Tage vom 1. bis zum 10. Tischre werden auch die Jamim Nora’im, die ehrfurchtserweckenden Tagen.</p>
<p>Nun, am 19. September, dem 1. Tischre, beginnt also das neue jüdische Jahr, das Jahr 5.781. Wie kommt es aber zu dieser Zahl, zu dieser Zählung? Der heute verwendete jüdische Kalender, dem traditionell die Zählung nach der Erschaffung der Welt zugrunde liegt, wird zwar dem Patriarchen Hillel II. im 4. Jahrhundert nach der Zeitrechnung zugeschrieben, mit Sicherheit besteht er aber erst seit dem 9. oder 10. Jahrhundert. </p>
<p>Da dies kein Mathematik- oder Astronomie-Referat ist, erspare ich mir und Ihnen die ziemlich komplizierten Rechenschritte und beschränke mich auf das Ergebnis: Die jüdische Zeitrechnung beginnt am Sonntag, dem 6. Oktober 3761 vor unserer Zeitrechnung (genau um 23 Uhr 11 Minuten und 20 Sekunden). Addieren wir also 5.781 (das neue jüdische Jahr) zu minus 3.761 erhalten wir eben (das bürgerliche Jahr) 2021. Ein wenig einfacher ist es wohl, wenn wir uns schlicht das bürgerliche Jahr 1239 bzw. 1240 für das jüdische Jahr 5000 merken und dann nur mehr die Hunderter, Zehner und Einer addieren.<br />
Warum sage ich aber 1239 bzw. 1240? Vorsicht ist nämlich geboten, weil das jüdische Jahr immer im Herbst des bürgerlichen Jahres beginnt. So ist zum Beispiel das heurige bürgerliche Jahr 2020 bis zum 1. Tischre (heuer eben der 7. September) das jüdische Jahr 5780 und ab dem 7. September das jüdische Jahr 5.781.<br />
Wollen wir nun ein bürgerliches Jahr in ein jüdisches Jahr umrechnen, ist dieses von Jänner bis Rosch Haschana (heuer also 19. September) immer die Differenz zwischen bürgerlichem Jahr und dem Jahr 1240 (2020 – 780 = 1240), von Rosch Haschana (also dem neuen jüdischen Jahr) bis zum Ende des bürgerlichen Jahres (31. Dezember) immer die Differenz zwischen bürgerlichem Jahr und dem Jahr 1239 (2020 – 781 = 1239). Und ab 1. Jänner rechnen wir wieder 2021 – 781 = 1240. </p>
<p>In der Tat wird oft das jüdische Jahr ohne Tausender angegeben, also etwa ohne den 5er für 5000. Wir schreiben also nicht 5.781 sondern nur 781. In diesem Fall schreibt man meist nach der Jahreszahl die drei hebräischen Buchstaben Lamed, Pe und Kof, die die Bedeutung &#8220;nach der kleinen Zeitrechnung&#8221; haben, was soviel heißt wie &#8220;ohne Tausender&#8221;.</p>
<p>Fehlt noch klarzustellen, dass die Zahlen, die Jahreszahlen im Hebräischen immer und praktisch ausschließlich mit hebräischen Buchstaben, denen Zahlenwerte entsprechen, geschrieben werden. Die Zahlenwerte werden addiert um das jüdische Jahr zu erhalten.</p>
<p>Man schreibt also die Jahreszahlen (aber auch die Tage im Monat usw.) immer mit hebräischen Buchstaben. Wir schreiben also nicht 1781 (als Zahl), sondern die hebräischen Buchstaben, die jene Zahlenwerte haben, die die Zahl 1781 ergeben&#8230; Von 1-10, dann die Zehner bis 100 und dann noch 200, 300 und 400.<br />
Die Zahlenwerte werden schließlich addiert, um das jüdische Jahr zu erhalten, z.B. Taw, Schin, Pe und Alef. So hat der hebräische Buchstabe Taw den Zahlenwert 400, Schin = 300 = 700, Pe = 80 und Alef = 1, ergibt 781 oder auch 5.781, das neue jüdische Jahr, das in zwei Tagen beginnt.</p>
<p>Der heute verwendete jüdische Kalender ist eine Mischung von Mond- und Sonnenkalender, ein sogenannter luni-solarer Kalender. Zunächst orientieren sich die Monate im jüdischen Kalender ja nach den Mondphasen. Da ein Mondmonat etwa 29 Tage und 12 Stunden hat, gibt es Monate mit 29 Tagen und Monate mit 30 Tagen. Der Neumondtag (hebräisch Rosch Chodesch) ist ein Halbfeiertag und Monaten mit 29 Tagen folgt ein Neumondtag, nämlich der 1. Tag des nächsten Monats, bei Monaten mit 30 Tagen gibt es 2 Neumondtage, den 30. (des „alten“ Monats) und den 1. Tag des Folgemonats. So hat der jüdische Kalender 5 bzw. in einem Schaltjahr 6 Monate mit 30 Tagen und 2 Neumondtagen, 5 Monate mit 29 Tagen und 1 Neumondtag und 2 Monate (nämlich die im Herbst aufeinanderfolgenden Monate Kislew und Tewet) haben manchmal 29 Tage und 1 Neumondtag und manchmal 30 Tage und 2 Neumondtage. </p>
<p>Den 12 Monaten entsprechen 12 Sternbildern. Einer der bekanntesten Tierkreise, einen sehr farbenfroh und ausdrucksstark gestalteten etwa findet sich in der aus dem 6. Jahrhundert stammenden und schon Mitte des 8. Jahrhunderts zerstörten Synagoge von Bet Alpha im Norden Israels.</p>
<p>Der Neumondtag wird am 1. Tischre nicht gefeiert, er weicht sozusagen Rosch Haschana, dem Neujahrstag. Ein Jahr, das also die Monate in der Abfolge 1 Monat 30 Tage, das nächste 29, dann wieder 30 Tage usw. hat, nennen wir <strong>reguläres Gemeinjahr</strong> und es hat 354 Tage. Die Einigung auf 29 und 30 Tage ist ohnehin schon ein Kompromiss, genau genommen eine Auf- bzw. Abrundung des Mondmonats mit 29 Tagen und etwas mehr als 12 Stunden. Diese Rundung bewirkt aber, dass dieses <strong>reguläre Gemeinjahr</strong> mit 354 Tagen um ca. 8 Stunden zu kurz ausfällt, was dadurch ausgeglichen wird, dass man alle 3 Jahre dem Monat Marcheschwan (im Herbst) einen zusätzlichen Tag gibt, also der Marcheschwan dann statt 29 eben 30 Tage hat. Ein solches Jahr zählt dann eben nicht 354, sondern 355 Tage und wird <strong>überzähliges (oder übermäßiges) Jahr</strong> genannt. Im Gegensatz dazu ist ein <strong>mangelhaftes (oder vermindertes) Jahr</strong> ein Jahr, in dem der Monat Kislew einen Tag weniger erhält, nur 29 Tage und das Jahr also dann 353 Tage hat.</p>
<p>Warum aber ist der jüdische Kalender nun ein luni-solarer Kalender, eine Mischung von Mond- und Sonnenkalender? Das Sonnenjahr zählt etwa 11 Tage mehr als das Mondjahr, nämlich Sonnenjahr mit 365 ¼ Tagen zu Mondjahr mit 353 – 355 Tagen. Diese beiden Jahre (Sonnen- und Mondjahr) müssen sozusagen aneinander angepasst werden, damit die einzelnen Feste nicht „wandern“ und im Laufe der Zeit zu den verschiedensten Jahreszeiten gefeiert werden müssten. Dies ist vor allem deshalb wichtig, weil einige jüdische Feste landwirtschaftlichen Ursprung haben und daher an gewisse Jahreszeiten gebunden sind (etwa das Laubhüttenfest „Sukkot“, ursprünglich ein Erntedankfest, später dann eines der 3 Wallfahrtsfeste). Dieses Anpassen erfolgt mithilfe eines Schaltmonats, konkret werden im Laufe eines Zyklus von 19 Jahren sieben Jahre mit 13 (statt mit 12) Monaten bestimmt und diese 13-monatigen Jahre sind also die Schaltjahre des jüdischen Kalenders, die entweder 383, 384 oder 385 Tage zählen. Eingeschoben wird im 3., 6., 8., 11., 14., 17. und 19. Jahr der Monat Adar (im Frühjahr), sodass es in diesen Schaltjahren dann 2 Monate Adar gibt, Adar I und Adar 2 oder Adar Alef und Adar Bet (auch We-Adar genannt). Eingeschoben wird übrigens immer der Adar I, der in einem Schaltjahr aber 30 Tage und nicht 29 Tage hat wie in einem Gemeinjahr.<br />
Auch bei den Schaltjahren gibt es die regelmäßigen Schaltjahre mit 384 Tagen, die überzähligen mit 385 Tagen und die mangelhaften Schaltjahre mit 383 Tagen.</p>
<p>Da in zwei Tagen Rosch Haschana, jüdisches Neujahr ist und das jüdische Jahr 5781 beginnt, sei noch eine Besonderheit des jüdischen Kalenders erwähnt: die sogenannten Vertagungen. Die wichtigste Vorschrift ist, dass Rosch Haschana nie am 1., 4. oder 6. Wochentag beginnen soll, also der 1. Tischre nie auf einen Sonntag, Mittwoch oder Freitag fallen darf. Es gibt mehrere Gründe für diese Vorschrift, etwa, dass sonst der Versöhnungstag, der Jom Kippur auf einen Freitag oder Sonntag fiele und damit unmittelbar vor oder nach dem Schabbat läge, und damit 2 heilige Tage aufeinanderfolgen, was die Ausübung der religiösen Pflichten sehr erschweren würde. Das Merkwort übrigens für diese Vorschrift ist ROSCH ADULO, also ROSCH für ROSCH HASCHANA, A Alef, der erste Buchstabe des Alefbets mit dem Zahlenwert 1 = Tag 1, also Sonntag, D  Buchstabe Dalet mit dem Zahlenwert 4 = Tag 4, also Mittwoch und U Buchstabe Waw mit dem Zahlenwert 6 = Tag 6, also Freitag und LO heißt „nicht“, also dass Rosch Haschana nicht auf einen Sonntag, Mittwoch oder Freitag  fallen darf. Wahrscheinlich gibt es aber handfeste astronomische Überlegungen für die Vertagungen und nicht religiöse Gründe wie den angeführten…</p>
<p>Das Jahr 5781, das in zwei Tagen beginnt, ist von seinem Charakter her ein sehr seltenes Jahr. Es ist ein sogenanntes SACHA-Jahr, geschrieben mit den hebräischen Buchstaben Sajin, Chet und Alef (<span class="hebrEA" dir="rtl">זחא</span>). Ein Jahr, in dem Rosch ha-Schana auf den Schabbat fällt. Sajin hat den Zahlenwert 7, der 7. Tag der Woche ist der Schabbat. Chet steht für das hebräische Wort „chaser“, was bedeutet, dass das Jahr mangelhaft, vermindert ist, also nur 353 Tage hat. Und Alef hat den Zahlenwert 1, was zeigt, dass das Pesachfest in diesem neuen jüdischen Jahr auf den Tag 1, also auf einen Sonntag fällt.</p>
<p>Es sind 2 Monate, die in der Tora besonders häufig erwähnt werden: Der Nisan, der Ährenmonat im Frühjahr, in den das Pesachfest fällt und der als der 1. Monat im Jahr bezeichnet wird. So gilt auch der 1. Nisan als religiöser Jahresbeginn (nach 2. Buch Mose 12,2). Der Monat Tischre hingegen ist der 7. Monat des Kalenders, der Erntemonat. Heute wird praktisch immer der 1. Tischre „Rosch Haschana“ (wörtlich: Kopf des Jahres) als – quasi bürgerliches  jüdisches – Neujahr bezeichnet. Das Fest Rosch Haschana ist selbstverständlich auch mehrfach biblisch bezeugt.<br />
Kalenderfragen haben natürlich immer, auch im jüdischen Kalender, vor allem mit Mathematik, mit Astronomie, mit Berechnungen zu tun. So lässt sich das Datum des Pesachfestes am 15. Nisan für jedes beliebige Jahr nach der 1802 entstandenen Pesachformel des berühmten deutschen Mathematikers Carl Friedrich Gauß berechnen und den Charakter eines jüdischen Jahres (ob vermindert, regulär, übermäßig, Gemein- oder Schaltjahr) sowie die Wochentage des Neujahrs- und Pesachfestes berechnen wir mit der Formel  des polnischen Schriftstellers und Journalisten Chajim Slonimski (1810 bis 1904).</p>
<p>Ganz ohne Rechnungen und Berechnungen wünsche ich Ihnen ein glückliches und gesundes neues Jahr 5781, gmar chatima tova!</p>
<hr class="divider height-3 margin-top-20 margin-bottom-20" />
<p class="winzig">Basnizki Ludwig, Der jüdische Kalender. Entstehung und Aufbau. Jüdischer Verlag, Frankfurt 1998.</p>
<p class="winzig"><img loading="lazy" decoding="async" src="/bilder/ff.gif" alt="" width="11" height="10" /> <a href="https://math.ch/TMU2019/Mathematik_Juedischer_Kalender_2_Huber.pdf" title="Externer Link">Die Mathematik des jüdsichen Kalenders</a> (pdf).</p>
<p class="winzig"><img loading="lazy" decoding="async" src="/bilder/ff.gif" alt="" width="11" height="10" /> <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gau%C3%9Fsche_Pessach-Formel" title="Externer Link">Gaußsche Pessach-Formel</a>.</p>
<p class="winzig"><img loading="lazy" decoding="async" src="/bilder/ff.gif" alt="" width="11" height="10" /> <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Slonimski-Formel" title="Externer Link">Slonimski-Formel</a>.</p>
<p class="winzig"><img loading="lazy" decoding="async" src="/bilder/ff.gif" alt="" width="11" height="10" /> <a href="https://www.chabad.org/calendar/converter_cdo/aid/6225/jewish/Date-Converter.htm" title="Externer Link">Jewish / Hebrew Date Converter</a> (Chabad.org). </p>
<p class="winzig"><img loading="lazy" decoding="async" src="/bilder/ff.gif" alt="" width="11" height="10" /> <a href="https://www.hebcal.com/converter/" title="Externer Link">Hebcal Converter. </a></p>
<p class="winzig"><img loading="lazy" decoding="async" src="/bilder/ff.gif" alt="" width="11" height="10" /> <a href="https://he.wikipedia.org/wiki/שנת_זחא" title="Externer Link">Das SACHA-Jahr (hebräisch)</a></p>
<div class="clearfix">&nbsp;</div>
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		<title>Ich weiß es nicht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Der Transkribierer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Jul 2020 17:07:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Religion und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[ehemalige podcasts]]></category>
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					<description><![CDATA[Dieser Artikel war ursprünglich die 5. Podcastfolge, die ich während meiner Zeit im Österreichischen Jüdischen Museum in Eisenstadt am 20. Juli 2020 publizierte. Die Podcastreihe &#8220;Koscher Schmus&#8221; wird auf &#8220;Der Transkribierer&#8221; &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Dieser Artikel war ursprünglich die 5. Podcastfolge, die ich während meiner Zeit im Österreichischen Jüdischen Museum in Eisenstadt am 20. Juli 2020 publizierte. Die Podcastreihe &#8220;Koscher Schmus&#8221; wird auf &#8220;<span class="can">Der Transkribierer</span>&#8221; nicht fortgeführt, die von mir erstellten Podcasts werden jedoch als Artikel zur Verfügung gestellt.</em></p>
<hr class="divider height-3 margin-top-20 margin-bottom-20" />
<p>Heute geht es um eine Frage, die mir erst vor wenigen Wochen an einem Gesprächsabend im Museum gestellt wurde. Thema waren die hebräische Bibel und die rabbinische Literatur. Selbstverständlich kamen wir dabei auch auf den bekanntesten jüdischen Bibel- und Talmudkommentator zu sprechen, Rabbi Schlomo ben Jitzchaq, der meist schlicht Raschi genannt wird. RASCHI ist ein sogenanntes Acronym, also ein aus den Anfangsbuchstaben seines Namens „Rabbi Schlomo ben Jitzchaq„ gebildetes Kurzwort: RASCHI. Auf die Frage, die mir an diesem Juniabend gestellt wurde, komme ich ein wenig später, vorher noch ein paar Worte zu dem großen Gelehrten:</p>
<p>Raschi wurde in Troyes, Nordostfrankreich, im jüdischen Jahr 4.800, also nach bürgerlicher Zeitrechnung im Jahr 1040 geboren, das meist als jenes Jahr gilt, in dem Rabbenu Gerschom MEOR HAGOLA (unser Lehrer Gerschom, Licht der Diaspora), einer der einflussreichsten Gelehrten des Abendlandes starb. Auf Rabbi Gerschom gehen unter anderem die Erlässe zurück, dass die Polygamie verboten ist und dass bei einer Scheidung beide Ehepartner einwilligen müssen, sich also der Ehemann nicht mehr ohne Zustimmung seiner Ehefrau von ihr scheiden lassen kann. Raschi starb am 29. Tamus 4.865, nach bürgerlicher Zeitrechnung im Jahr 1105, am heutigen Tag, vor genau 915 Jahren.</p>
<p><figure id="attachment_16980" aria-describedby="caption-attachment-16980" style="width: 1920px" class="wp-caption aligncenter"><a  href="https://der-transkribierer.at/wp-content/uploads/2020/07/raschiText.jpg" data-rel="lightbox-gallery-0" data-rl_title="Raschi-Schrift. Es handelt sich dabei um eine Halbkursive, in der v.a. rabbinische Kommentare geschrieben werden." data-rl_caption="Raschi-Schrift. Es handelt sich dabei um eine Halbkursive, in der v.a. rabbinische Kommentare geschrieben werden." data-magnific_type="gallery" title="Raschi-Schrift. Es handelt sich dabei um eine Halbkursive, in der v.a. rabbinische Kommentare geschrieben werden."><img loading="lazy" decoding="async" src="https://der-transkribierer.at/wp-content/uploads/2020/07/raschiText.jpg" alt="Raschi-Schrift. Es handelt sich dabei um eine Halbkursive, in der v.a. rabbinische Kommentare geschrieben werden." width="1920" height="850" class="size-full wp-image-16980" srcset="https://der-transkribierer.at/wp-content/uploads/2020/07/raschiText.jpg 1920w, https://der-transkribierer.at/wp-content/uploads/2020/07/raschiText-600x266.jpg 600w, https://der-transkribierer.at/wp-content/uploads/2020/07/raschiText-768x340.jpg 768w, https://der-transkribierer.at/wp-content/uploads/2020/07/raschiText-1536x680.jpg 1536w, https://der-transkribierer.at/wp-content/uploads/2020/07/raschiText-281x124.jpg 281w" sizes="auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /></a><figcaption id="caption-attachment-16980" class="wp-caption-text">Raschi-Schrift. Es handelt sich dabei um eine Halbkursive, in der v.a. rabbinische Kommentare geschrieben werden.</figcaption></figure><br />
<div class="clearfix">&nbsp;</div></p>
<p>Raschi lernte bis zu seinem ungefähr 20. Lebensjahr bei seinem Vater und seinem Onkel, danach bei den Weisen Lothringens, den Schülern von Rabbi Gerschom in Worms und in Mainz. Die Lehrer lobten seinen Fleiß, sein Wissen und seinen scharfen Verstand, Raschi, jung verheiratet, schreibt </p>
<blockquote><p>Ja, es fehlt uns an Speise und Kleidung. </p></blockquote>
<p>In Worms erinnern sowohl das als Bet ha Midrasch (Lehrhaus) bezeichnete Haus im Anbau an die Synagoge als auch der Lehrstuhl, der als jener Raschis gezeigt wird, an den großen Gelehrten, stammen jedoch beide aus dem 16. Jahrhundert.</p>
<p>Nach etwa 5 Jahren, im Jahr 1064/65, mit ungefähr 25 Jahren, kehrte Raschi in seine Heimatstadt Troyes, zu Frau und Familie zurück, eröffnet eine Jeschiwa, also eine Schule zum Studium der Tora und des Talmud, in die sehr bald viele Schüler, besonders aus Deutschland und Frankreich strömten. </p>
<p>Dennoch zog Raschi aus seiner Studien- und Lehrtätigkeit nie materiellen Gewinn, sondern lebte vom Weinbau- und -verkauf. Er folgte damit dem rabbinischen Grundsatz, dass man die Tora nicht als Spaten verwenden soll, um damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen, aber auch nicht als Krone, um im sozialen Ansehen zu steigen, wie wir in den Pirqe Avot, den Sprüchen der Väter 4,7 lesen.  </p>
<blockquote><p><span class="hebrEA" dir="rtl">הָא לָמַדְתָּ, כָּל הַנֶּהֱנֶה מִדִּבְרֵי תוֹרָה, נוֹטֵל חַיָּיו מִן הָעוֹלָם:</span><br />
Somit lernst du: Wer von den Worten der Tora Nutzen zieht, der nimmt sein Leben fort aus der Welt.</p></blockquote>
<p>Raschi kommentierte die meisten Bücher der hebräischen Bibel (nur die beiden Bücher der Chronik fehlen), sein Kommentar zu den 5 Büchern Mose wird so häufig zitiert, dass man oft schwer unterscheiden kann, ob ein Zitat biblisch ist oder aus dem Raschi-Kommentar stammt. Auf Hebräisch spricht man vom &#8220;Chumasch-Kommentar&#8221;. Mit Chumasch (vom hebräischen Wort chamesch für 5) bezeichnet man die Tora in gedruckter Buchform im Gegensatz zur Schriftrolle / Torarolle.<br />
Welchen Eindruck Raschis Chumasch-Kommentar machte, erkennt man etwa daran, dass er als &#8220;Rabban schel Israel&#8221; (der Großlehrer Israels) bezeichnet wird, für das auch RASCHI als Acronym steht. Ein Jude, so heißt es, der Chumasch mit Raschi gelernt hat, kann nicht mehr als &#8220;Am Haarez&#8221;, als Unwissender bezeichnet werden! </p>
<p>Der ungefähr 50 Jahre jüngere spanische Gelehrte und Schriftsteller Abraham ibn Esra, der zu den Vorreitern einer wissenschaftlichen biblischen Exegese, also einer wissenschaftlichen Bibelauslegung, gehört, schrieb über Raschi:</p>
<blockquote><p>Licht aller Blinden,<br />
jeden, den es dürstet<br />
trinkt von seinem süßen Most.<br />
Einen großen Kommentar<br />
Schrieb er zur Tora.<br />
Daher man ihn nannte:<br />
Parschandata (Erklärer der Religion).<br />
Sein Buch löst alle Fragen,<br />
und in Israel<br />
wird er von allen verlangt.</p></blockquote>
<p>Raschi kommentierte aber nicht nur die meisten Bücher der hebräischen Bibel, sondern auch die meisten Traktate des babylonischen Talmud. Sein Talmudkommentar ist noch bedeutender als sein Kommentar der hebräischen Bibel. Raschi klare und verständliche Sprache machte den Talmud auch für Nicht-Gelehrte verständlich. Beide Kommentare, sowohl Bibel- als auch Talmudkommentar, erlangten enormen Einfluss und wurden bald in allen Standardausgaben der Bibel bzw. des Talmud abgedruckt. Die Raschi-Kommentare werden in den gedruckten Ausgaben von Bibel und Talmud mit einer eigenen Schrift, einer Halbkursive, abgedruckt, die meist „Raschi-Schrift“, manchmal auch „rabbinische Schrift“ genannt wird. Freilich eine erst lang nach Raschi entstandene Bezeichnung, denn Raschi selbst hatte nicht in dieser Halbkursive geschrieben. Erstmals verwendet wurde diese Schrift erst in einer 1475 in Italien gedruckten Ausgabe des Raschikommentars. Bis zum heutigen Tag findet sich in gedruckten Ausgaben von Bibel- und Talmud, in denen Bibel- oder Talmudtext und der rabbinische Kommentar auf einer Seite dargestellt werden, der rabbinische Kommentar in Raschischrift, vor allem auch zur Unterscheidung zwischen Primär- und Kommentartext. </p>
<p>Über das Privatleben Raschis wissen wir wenig, er hatte keine Söhne, aber 3 Töchter Jochewed, Mirjam und Rachel, die, nicht nur selbst außerordentlich gelehrt, auch alle mit herausragenden Gelehrten verheiratet waren. Besonders erwähnenswert ist wohl seine Tochter Jochewed, die Rabbi Meir ben Samuel heiratete und mit ihm 3 berühmte Söhne hatte: Samuel ben Meir, Isak ben Meir und Jakob ben Meir.<br />
Rabbi Meir ben Samuel, der Schwiegersohn von Raschi, war einer der Gründer der Schule der sogenannten Tosafisten in Nordfrankreich. „Tosafisten“ bedeutet etwa „Ergänzer“ und gemeint ist jene Gelehrtenschule, in der Sammlungen von Erläuterungen und Zusätzen zu frühen Talmudkommentaren, besonders zum Raschikommentar verfasst wurden (die sogenannten „Tosafot“), die in allen gedruckten Talmudausgaben am äußersten Rand abgedruckt werden. Die prominentesten Vertreter dieser Tosafisten in Frankreich sowie im Rheinland waren die Schüler und Nachkommen Raschis, allen voran die erwähnten Enkel Samuel, Isak und Jakob.</p>
<p>Und damit sind wir auch bei der eingangs erwähnten Frage, die mir an diesem Juniabend vor einigen Wochen gestellt wurde: ob es nämlich je jemand wagte, den großen Kommentator Raschi zu kritisieren oder ihm gar zu widersprechen…? Wir ahnen die Antwort. Selbstverständlich! Besonders die Tosafisten, seine Enkel und Urenkel widersprachen ihm bisweilen sehr vehement. Zu nennen wäre etwa sein Enkel Jakob, der als Rabbenu Tam (unser Lehrer Tam) als der größte der Tosafisten gilt! Der Zusatz „Tam“ bedeutet „perfekt“, die Eigenschaft, mit der Jakob, der Sohn Isaks und Enkel Abrahams, im 1. Buch Mose, Kapitel 25, Vers 27 bezeichnet wird. Rabbenu Tam war von Beruf Händler, befasste sich sowohl mit hebräischer Grammatik als auch mit hebräischer Dichtung und verfasste einige halachische, also religionsgesetzliche Bücher. Es gibt fast keine Seite im Talmud ohne die kommentierenden Bemerkungen des Rabbenu Tam! Sein enzyklopädisches Wissen war so sprichwörtlich, dass ein zeitgenössischer Weiser einmal anmerkte, dass es fraglich sei, ob man sich in Sachen Halacha nach Rabbenu Tam richten solle, denn #</p>
<blockquote><p>sein Herz ist das eines Löwen, und wir wissen nie, ob er seinen Kommentar tatsächlich als halachisch verbindlich ansieht oder ob er in ihm nur seine Geistesschärfe zeigen will. Wir jedenfalls können ihn nicht widerlegen.</p></blockquote>
<p>Und es war dieser Rabbenu Tam, der &#8210; zum Beispiel &#8210; für die 4 Toraabschnitte, die in die Ledergehäuse der Tefillin, der Gebetsriemen, gesteckt werden, eine andere Reihenfolge festlegte als es Raschi tat.</p>
<p>Immer wieder werden Raschis pädagogische Fähigkeiten, seine Präzision in den Gedankengängen, seine Zuvorkommenheit, seine Verständlichkeit und seine Bescheidenheit über alle Maßen gelobt. Das Bekenntnis zur Wahrheit war das große Ziel in Raschis Lebenswerk. Für mich immer unendlich faszinierend sein bescheidenes und wahrheitsliebendes </p>
<blockquote><p>Eneni jode’a<br />
Ich weiß es nicht</p></blockquote>
<p>im Sinne von </p>
<blockquote><p>Ich weiß nicht, was uns das lehren will,</p></blockquote>
<p>wenn er den Sinn des Bibeltextes nicht erkennen konnte. Zum Beispiel im 1. Buch Mose Kapitel 28, Vers 5, wo es heißt: </p>
<blockquote><p>Isaak entließ Jakob und er zog nach Paddan-Aram zu Laban, dem Sohn des Aramäers Betuël, dem Bruder Rebekkas, der Mutter Jakobs und Esaus. </p></blockquote>
<p>Und bei „der Mutter Jakobs und Esaus“ merkt Raschi eben an: </p>
<blockquote><p>Eneni jode’a<br />
Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, was uns das lehren will</p></blockquote>
<hr class="divider height-3 margin-top-20 margin-bottom-20" />
<p class="winzig">Bamberger Selig, רש&#8221;י על התורה Raschis Pentateuchkommentar, Basel 1994, VII-IXX, 84. </p>
<p class="winzig">Maier Johann, Schäfer Peter, Kleines Lexikon des Judentums, Stuttgart 1981, 265.</p>
<p class="winzig">Petzold Kay Joe, Masora und Exegese: Untersuchungen zur Masora und Bibeltextüberlieferung im Kommentar des R. Schlomo ben Yitzchaq (Raschi).</p>
<p class="winzig">Steinsaltz Adin, Talmud für Jedermann: Eine Einführung, 1998, 88ff.</p>
<p class="winzig"><a href="https://web.archive.org/web/20110608024451/http://www.library.upenn.edu/exhibits/cajs/revealed/revealed-med-det13.html">Rashi&#8217;s Commentary on the Pentateuch. Reggio di Calabria: Abraham ben Garton, [18 February1475]</a> </p>
<div class="clearfix">&nbsp;</div>
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			</item>
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		<title>Bilderverbot, Torastudium und ein Straßenräuber</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Der Transkribierer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jul 2020 13:55:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Religion und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[ehemalige podcasts]]></category>
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					<description><![CDATA[Dieser Artikel war ursprünglich die 4. Podcastfolge, die ich während meiner Zeit im Österreichischen Jüdischen Museum in Eisenstadt am 1. Juli 2020 publizierte. Die Podcastreihe &#8220;Koscher Schmus&#8221; wird auf &#8220;Der Transkribierer&#8221; &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Dieser Artikel war ursprünglich die 4. Podcastfolge, die ich während meiner Zeit im Österreichischen Jüdischen Museum in Eisenstadt am 1. Juli 2020 publizierte. Die Podcastreihe &#8220;Koscher Schmus&#8221; wird auf &#8220;<span class="can">Der Transkribierer</span>&#8221; nicht fortgeführt, die von mir erstellten Podcasts werden jedoch als Artikel zur Verfügung gestellt.</em></p>
<hr class="divider height-3 margin-top-20 margin-bottom-20" />
<p>Es geht um eine Frage, die mir vor etwa 35 Jahren im Museum gestellt wurde und die ich bis heute nicht vergessen habe. Wir zeigten damals in einer Schwerpunktausstellung die biblischen Szenen, die 1932 in der Synagoge von Dura Europos entdeckt wurden. Dura Europos ist eine antike Stadt im Osten von Syrien, alle 4 Wände der Synagoge zeigten Szenen, deren Vorlagen wir in der hebräischen Bibel finden. Datiert werden die Malereien auf das Jahr 244/45, 11 Jahre später, 256, wurde die Synagoge schon zerstört.</p>
<p>Diese einzigartigen Malereien versuchte ich also einmal den Schülerinnen und Schülern einer jüdischen Schule von Wien ein wenig nahezubringen, als mich eine ca. 11jährige Schülerin unterbrach und doch vorwurfsvoll fragte:</p>
<blockquote><p>Wollen Sie damit sagen, dass unsere Väter gesündigt haben?</p></blockquote>
<p>Eine gute und naheliegende Frage, denn selbstverständlich bezog sich das Mädchen auf das sogenannte Bilderverbot im 2. Buch Mose, Kapitel 20, Vers 4, wo es heißt:</p>
<blockquote><p>Du sollst dir kein Schnitzbild machen, noch irgendein Abbild von dem, was droben im Himmel oder auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde ist.</p></blockquote>
<p>Dieses Gebot wurde von Juden oft als Anweisung zur grundsätzlichen Ablehnung jeder abbildenden Kunst verstanden und immer wieder diskutiert. Jedenfalls haben wir viele Berichte, die beweisen, dass sich die rabbinischen Gelehrten im 3. Jahrhundert nach der Zeitrechnung nicht mehr gegen Bilder und Abbildungen durchsetzen konnten.</p>
<p>Die Bestätigung dafür schlechthin finden wir im palästinischen Talmud, Traktat Avoda sara III,3, wo es heißt:</p>
<blockquote><p><strong>In den Tagen des Rabbi Jochanan fing man an, die Wände zu bemalen, und er hinderte es nicht.</strong></p></blockquote>
<p>Das Mädchen, das die Frage gestellt hat, war mit dieser Antwort vollkommen zufrieden und offensichtlich erleichtert. Sie wusste, dass Gottes Offenbarung am Sinai nicht nur die schriftliche Tora, sondern auch die mündliche umfasste. Also die gesamte mündlich überlieferte Auslegung, die die schriftliche Tora aktualisiert und jeweils auf die neuen und verschiedenen Lebenssituationen anpasste. Die Erlaubnis von Rabbi Jochanan, dass gemalt werden darf, also autoritativ war.</p>
<p>Mit Rabbi Jochanan ist Rabbi Jochanan bar Nappacha gemeint. &#8220;Nappacha&#8221; heißt wörtlich &#8220;Schmied&#8221;, also Jochanan, der Sohn des Schmiedes. Er lehrte anfangs in Sepphoris, wo er auch geboren wurde, später in Tiberias. Zweifelsohne reichte seine Lehrautorität weit über die Grenzen Palästinas hinaus.</p>
<p>Von sich selbst soll er gesagt haben:</p>
<blockquote><p>Ich bin der einzige, der von den Jerusalemer Männern mit herausragender Schönheit geblieben ist.</p></blockquote>
<p>Rabbi Jochanan soll oft an den Toren des Ritualbades gesessen haben. Wenn die Töchter Israels vom Bad heraufstiegen, sagt er:</p>
<blockquote><p>Lasst sie auf mich schauen, damit sie Söhne haben, die ebenso schön und gelehrt sind wie ich.</p></blockquote>
<p>Sein wohl bekanntester Zeitgenosse war Simeon ben Laqish, gewöhnlich Resch Laqisch genannt. Eines Tages badete Rabbi Jochanan im Jordan, als Resch Laqisch vorbeikam, der seinen Lebensunterhalt als Straßenräuber bestritt und von Rabbi Jochanans Schönheit so angetan war, dass er über den Jordan sprang, um Jochanan besser zu sehen. Dieser war wiederum von der übermenschlichen Kraft des Resch Laqisch so angetan, dass er ihm vorschlug seine Kraft für das Torastudium zu verwenden. Resch Laqisch antwortete ihm:</p>
<blockquote><p>und deine Schönheit solltest du den Frauen widmen.</p></blockquote>
<p>Jochanan versprach ihm seine Schwester, die noch schöner als er selbst ist, als Ehefrau, wenn Resch Laqisch zurückkomme um mit ihm Tora zu studieren.</p>
<p>Als Resch Laqisch dem Torastudium zugestimmt hatte, verlor er seine übermenschliche Körperkraft von einer Minute auf die andere und konnte nicht mehr über den Jordan zurückspringen, um alle seine Sachen zu holen. Einige Jahre später, als die beiden über den halachischen, also religionsgesetzlichen Stellenwert von Waffen wie Schwert, Messer, Dolch, Lanze usw. diskutierten, waren sie sich in der Beurteilung uneins und Jochanan bar Nappacha erinnerte seinen Kollegen an seinen früheren Beruf als Straßenräuber. Worüber Resch Laqisch so aus der Fassung gebracht wurde, dass er vor lauter Bedrücktheit schließlich um 275 im Alter von 75 Jahren starb. Rabbi Jochanan wiederum war auch schwer bedrückt, weniger weil er den Tod seine Freundes verursacht hatte, sondern weil er nicht wusste, wie er ohne einen so herausfordernden Studienpartner wie Resch Laqisch Tora lernen solle. Und er wurde immer schwächer und starb schließlich auch, im Jahre 279, also 13 Jahre nach der Zerstörung der Synagoge von Dura Europos.</p>
<hr class="divider height-3 margin-top-20 margin-bottom-20" />
<p class="winzig">Stemberger Günter: Einleitung in Talmud und Midrasch, C.H.Beck, 8., neu bearbeitete Auflage, München 1992, S. 44ff, 93.</p>
<p class="winzig"><img loading="lazy" decoding="async" src="/bilder/ff.gif" alt="" width="11" height="10" /> <a href="https://www.jewishvirtuallibrary.org/johanan-ben-nappaha" title="Externer Link">JOHANAN BEN NAPPAḤA (Jewish Virtual Library)</a>.</p>
<p class="winzig"><img loading="lazy" decoding="async" src="/bilder/ff.gif" alt="" width="11" height="10" /> <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Synagoge_von_Dura_Europos" title="Externer Link">Synagoge von Dura Europos (Wikipedia)</a>.</p>
<p class="winzig">Wasserstein Abraham, ריש לקיש בין הליסטים. A Good Man Fallen Among Robbers, in Tarbiẕ 1979/80, Heft 1/2, Band 49, S. 197f / תרביץ תשרי-אדר תש&#8221;ם, חרברת א/ב, כרך מט, המכון למדעי היהודות ע&#8221;ש מגדל<br />
Published By: Mandel Institute for Jewish Studies</p>
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		<title>MIT dem Anfang&#8230;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Der Transkribierer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 May 2020 04:54:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Religion und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[ehemalige podcasts]]></category>
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					<description><![CDATA[Dieser Artikel war ursprünglich die 3. Podcastfolge, die ich während meiner Zeit im Österreichischen Jüdischen Museum in Eisenstadt am 28. Mai 2020 publizierte. Die Podcastreihe &#8220;Koscher Schmus&#8221; wird auf &#8220;Der Transkribierer&#8221; &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Dieser Artikel war ursprünglich die 3. Podcastfolge, die ich während meiner Zeit im Österreichischen Jüdischen Museum in Eisenstadt am 28. Mai  2020 publizierte. Die Podcastreihe &#8220;Koscher Schmus&#8221; wird auf &#8220;<span class="can">Der Transkribierer</span>&#8221; nicht fortgeführt, die von mir erstellten Podcasts werden jedoch als Artikel zur Verfügung gestellt.</em></p>
<hr class="divider height-3 margin-top-20 margin-bottom-20" />
<p>An Erev Schawu&#8217;ot, dem Vorabend des Schawu’otfestes geht es um die Tora und das erste Wort der Tora.</p>
<p>Das Schawu’otfest gilt als Fest &#8220;mit den vielen Namen&#8221;, WOCHENFEST wie es im 2. Buch Mose 34,22 und an anderen Stellen der hebräischen Bibel genannt wird &#8210; das hebräische Wort &#8220;Schawu’ot&#8221; bedeutet auch &#8220;Wochen&#8221;, gemeint sind die 50 Tage, also 7 Wochen plus einen Tag nach dem Pesachfest. Auch &#8220;Fest der Ernte&#8221; oder &#8220;Tag der Erstfrüchte&#8221; sind Namen für das Schawu’otfest. Vor allem aber ist das Schawu’otfest das Fest der Toragebung, die Juden erinnern sich, dass Mose die Tora und näherhin die 10 Gebote erneut von Gott am Berg Sinai empfangen hatte, nachdem Mose nach dem ersten Empfang die Tafeln mit den 10 Geboten zerschmettert hatte, weil das Volk Israel das Goldene Kalb anbetete.</p>
<p>Nun, das hebräische Wort &#8220;Tora&#8221; bedeutet zunächst &#8220;Lehre, Unterweisung&#8221;, Buber/Rosenzweig übersetzen &#8220;Tora&#8221; mit &#8220;Weisung&#8221;. Erst in den griechischen und lateinischen Übersetzungen wird Tora mit &#8220;nomos&#8221; bzw. &#8220;lex&#8221;, also mit &#8220;Gesetz&#8221; wiedergegeben, was einerseits zu kurz greift, andererseits wird im speziellen Sinn unter &#8220;Tora&#8221; auch der gesamte Korpus des traditionellen jüdischen Gesetzes verstanden.</p>
<p>Im engeren Sinn des Wortes bezeichnet &#8220;Tora&#8221; die 5 Bücher Mose, also den Pentateuch, die Bücher Genesis, Exodus, Leviticus, Numeri und Deuteronomium. Diese 5 Bücher haben, so wie alle anderen Bücher der hebräischen Bibel natürlich auch hebräische Namen. Die 5 Bücher Mose tragen die Namen nach den jeweiligen Anfangsworten der Bücher. So heißt das 1. Buch Mose, das Buch Genesis in der hebräischen Bibel &#8220;Bereschit&#8221;. Das hebräische Wort &#8220;Bereschit&#8221; und wird üblicherweise übersetzt mit &#8220;im Anfang&#8221;. Wir wissen wie es weitergeht: &#8220;Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde&#8221;.</p>
<p>&#8220;Reschit&#8221; = der &#8220;Anfang&#8221; und die Präposition/Vorsilbe &#8220;Be&#8221; bedeutet zunächst &#8220;In/m&#8221;, also &#8220;Im Anfang&#8221;.<br />
Die Präposition „BE“ bedeutet aber nicht nur „in/m“, sondern kann auch das „Mittels-MIT“ bezeichnen, also etwa &#8220;bi-djo&#8221; &#8220;mit Tinte&#8221;, also eigentlich &#8220;mittels Tinte&#8221; schreibe ich einen Brief usw.</p>
<p>Und so versteht auch die jüdische Tradition dieses erste Wort der Tora und der hebräischen Bibel vielfach nicht im zeitlichen Sinn, also nicht als &#8220;im Anfang&#8221;, sondern übersetzte dieses &#8220;be&#8221; mit mittels&#8221;, also &#8220;mittels des Anfangs erschuf Gott Himmel und Erde&#8221;. Und womit hat Gott nun Himmel und Erde, die Welt erschaffen? Mit der Tora.</p>
<p>Denn schon im sehr frühen Judentum wurde die Tora mit der Weisheit identifiziert, die vor der Erschaffung der Welt existierte (etwa im Buch der Sprüche, Kapitel 8). Diese biblische Vorstellung wurde auch vom rabbinischen Judentum übernommen, dass die Tora noch <em>vor</em> der Erschaffung der Welt existierte, die Tora als Schöpfungsplan sozusagen, mit dem Gott dann die Welt erschuf.</p>
<p>In den Pirke Avot 3,18, den &#8220;Sprüchen der Väter&#8221; sagt Rabbi Akiba: </p>
<blockquote><p>Bevorzugt ist Israel, dass ihnen ein kostbares Werkzeug gegeben ist, mit welchem die Welt erschaffen wurde.</p></blockquote>
<p>Und genau diese vor der Erschaffung der Welt erschaffene Tora wurde dem Mose durch Gott offenbart.</p>
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		<title>Zocken verboten!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Der Transkribierer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 May 2020 09:24:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Religion und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[ehemalige podcasts]]></category>
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					<description><![CDATA[Dieser Artikel war ursprünglich die 7. Podcastfolge, die ich während meiner Zeit im Österreichischen Jüdischen Museum in Eisenstadt am 23. Mai 2020 publizierte. Die Podcastreihe &#8220;Koscher Schmus&#8221; wird auf &#8220;Der Transkribierer&#8221; &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Dieser Artikel war ursprünglich die 7. Podcastfolge, die ich während meiner Zeit im Österreichischen Jüdischen Museum in Eisenstadt am 23. Mai 2020 publizierte. Die Podcastreihe &#8220;Koscher Schmus&#8221; wird auf &#8220;<span class="can">Der Transkribierer</span>&#8221; nicht fortgeführt, die von mir erstellten Podcasts werden jedoch als Artikel zur Verfügung gestellt.</em></p>
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<p>In der Dauerausstellung des Österreichischen Jüdischen Museums in Eisenstadt befindet sich in einem Raum eine Spielkarte an der Decke, die nur dazu dient, damit Besucherinnen und Besucher fragen, warum die Karte dort oben ist und ich folgende Geschichte erzählen konnte:</p>
<p>Im Jahr 1730 werden vom ersten offiziellen Rabbiner der noch jungen jüdischen Gemeinde Eisenstadt, <a href="https://der-transkribierer.at/burgenland/aelterer-juedischer-friedhof-eisenstadt/eisenstadt-meir-07-juni-1744/" title="Interner Link">Rabbi Meir Eisenstadt</a> (gestorben 1744 und am älteren jüdischen Friedhof von Eisenstadt begraben) &#8220;Verordnungen zur Verbesserung der Sitten irgendwelcher widrigen Umstände wegen&#8221;  verbindlich festgelegt. Dabei geht es neben der neumodischen Kleidung und der wie es heißt &#8220;frechen Gewandung&#8221; der Frauen, gemeint sind vor allem die Reifröcke, auch um Vorschriften, die das Tanzen oder das Spaziergehen (sic!) von Frauen und Männern regeln. Die bekannteste Verordnung betraf aber das Kartenspielen.</p>
<p>Dieses wurde nämlich mit der Strafe des Bannes verboten, und zwar eine Meile weit im Umkreis der jüdischen Gemeinde. Wie streng die Übertretung des Verbotes geahndet wurde, ist etwa 1739 zu ersehen, wenn den Herren David Schnürmacher und Rafael ben Koppel Spitz wegen neuerlicher Übertretung des Kartenspielverbotes sogar das Heimatrecht aberkannt wird! </p>
<p>Rabbi Meir Eisenstadt greift bei seinen Verordnungen auf ältere Luxus- und Sittenverordnungen zurück, das Kartenspiel etwa verbieten schon die mittelalterlichen Tekannot SCHUM, die Verordnungen der jüdischen Gemeinden Speier, Worms und Mainz.</p>
<p>Ab sofort war also das Kartenspielen verboten und zunächst nur zweimal im Jahr (zu Chanukka und bei Wöchnerinnen), später dreimal im Jahr erlaubt: zu Chanukka und Purim durften Männer spielen, wenn auch keineswegs mit Frauen oder jungen Burschen oder jungen Mädchen, selbst dann nicht, wenn sie miteinander verwandt sind. Und die dritte Erlaubnis betraf die Wöchnerinnen: In dieser Zeit durften Frauen spielen, bei Jungen 40, bei Mädchen 80 Tage.</p>
<p>Das Verbot des Kartenspielens förderte natürlich die Kreativität einzelner Gemeindemitglieder. So war vor allem <a href="https://der-transkribierer.at/burgenland/aelterer-juedischer-friedhof-eisenstadt/wolf-franziska-06-juni-1849/" title="Interner Link">Frau Frumet Wolf</a>, Babe Frumet, die Urmutter der berühmten Weinhändlerfamilie Wolf, als wahrhaft Süchtige verrufen. Sie soll sich von armen Wöchnerinnen oft die Wohnungsschlüssel geben haben lassen, wenn selbige schon längst ihren Geschäften nachgingen. Natürlich revanchierte sie sich durch Mahlzeiten und Geldspenden. An Feiertagen oder Halbfeiertagen, wird mehrfach berichtet, ließ sie es sich nicht nehmen, mit ihren Freundinnen ins nächste Dorf &#8210; wo der Bann nicht mehr galt! &#8210; zu gehen, um dort den Tag mit Kartenspiel zuzubringen.</p>
<p>Weil es keinen Bann gibt, der, wenn er aufgehoben war, automatisch seine Gültigkeit wiedererlangt, sondern nur, wenn er von Neuem erklärt wird, verlängerte der Rabbiner (in Übereinstimmung mit dem Gemeindevorsteher) jeweils die Zeitdauer der Erlaubnis um einige Tage. Und bis 1938 verkündete der Rabbiner oder der Vorbeter von der Bima, dem Vorlesepult, und neben der Torarolle: Das Spielen ist &#8220;asur ke-vime kedem&#8221;. Das Spielen ist verboten wie früher.</p>
<p>Friederike Spitzer, Tochter des Eisenstädter Tuchhändlers Ignatz Spitzer, heiratete am 19. März 1883 in Eisenstadt <a href="https://der-transkribierer.at/genealogie/orthodoxie-und-oktoberfest/" title"=Interner Link">Angelo Feuchtwanger</a> aus München. Er war der Onkel 2. Grades des weltberühmten Schriftstellers Lion Feuchtwanger und als bayerisches Urgestein bekannt. Er liebte die Münchner Mundart, liebte Berge und Bier (und Karten möchte man ergänzen) und ging aufs Oktoberfest. Nach seinem täglichen Synagogenbesuch kehrte er meist ins Hofbräuhaus ein, auch am Schabbat. Nur ließ er am Schabbat eben anschreiben, weil der Umgang mit Geld am Schabbat nicht erlaubt ist. Friederike Spitzer ist mit den alten Eisenstädter Traditionen und Vorschriften aufgewachsen. Wie groß war wohl ihre Überraschung über die neuen Sitten und Bräuche mit Angelo Feuchtwanger in München?</p>
<hr class="divider height-3 margin-top-20 margin-bottom-20" />
<p class="winzig">Barzen Rainer Josef, 	תקנות קהילות שו&#8221;ם: התקנות של קהילות רינוסג מגנצא, וורמייזא, ושפירא בימי הבניים, Teil 1, MGH &#8211; Hebräische Texte aus dem mittelalterlichen Deutschland, Band 2 von Monumenta Germaniae Historica. Hebräische Texte aus dem mittelalterlichen Deutschland, Wiesbaden 2019.</p>
<p class="winzig">Wachstein Bernhard, Die Grabinschriften des Alten Judenfriedhofes in Eisenstadt, Eisenstädter Forschungen, hrsg. von Sándor Wolf, Band I, Wien 1922, 69, Fußnote 1.</p>
<p class="winzig">Wachstein B., Urkunden und Akten zur Geschichte der Juden in Eisenstadt und den Siebengemeinden, Eisenstädter Forschungen, hrsg. von Sándor Wolf, Band II, Wien 1926, 145ff.</p>
<p class="winzig"><img loading="lazy" decoding="async" src="/bilder/ff.gif" alt="" width="11" height="10" /> <a href="https://www.juedische-allgemeine.de/religion/jackpot-fuer-juden/" title="Externer Link">Rabbiner Avraham Radbil, Jackpot für Juden?, Jüdische Allgemeine, 29. 06. 2015</a>.</p>
<p class="winzig"><a href="https://der-transkribierer.at/friedhof-eisenstadt-jung/orthodoxie-und-oktoberfest/" title="Interner Link">Reiss Johannes, Orthodoxie und Oktoberfest, 16. Juli 2017</a>.</p>
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